Redemption Road

Redemption Road - Strasse der Vergeltung von John Hart

Wenn nicht die Waffengewalt in Amerika so allgegenwärtig wäre, der Zugang zu Pistolen selbst für Kinder sehr leicht, dann könnten Autoren wie John Hart weniger realitätsnah schreiben wie er in seinem neuen Buch „Redemption Road – Straße der Vergeltung“.

Der bereits vielfach ausgezeichnete Hart schreibt temporeich, spannend und in einer starken Bildersprache in diesem Buch über die Versuchung der Vergeltung. Dabei hat auch die sehr an einer Sekte erinnernde Kirche einer der Protagonisten eine große Rolle. Die Polizistin Elizabeth ist Tochter eines Predigers, der Strenge und Abhängigkeit an das gesprochene Wort, nämlich seines, als unabänderlich ansieht. Dabei übersieht er, dass er Liebe, Güte und Vergebung mit Unbarmherzigkeit, Härte und falschen Ritualen verwechselt. Dieser Vater-/Tochter-Konflikt ist eines der Erzählstränge im Buch.

Eine weitere Geschichte darin ist die des wegen Mordes verurteilten Polizisten Adrian, der nun nach dreizehn Jahren Haft endlich aus der Hölle entlassen werden soll. Empfangen wird er vom Sohn des Opfers, einem Kind noch, Gideon, der seine Waffe gegen Adrian erhebt. Adrian ist der Grund, warum Elizabeth überhaupt zur Polizei ging, sie hat nie geglaubt, dass er die Mutter von Gideon ermordet hat und das ausgerechnet in der Kirche von ihrem Vater. Vor dreizehn Jahren war Gideon noch ein Baby, sie hat sich als Frau und Polizistin für ihn verantwortlich gefühlt, sich um ihn all die Jahre gekümmert, sein eigener Vater war in seiner Trauer nie dazu in der Lage. Adrian wiederum wurde im Gefängnis schrecklich gefoltert, soll er doch das Geheimnis eines alten Mitgefangenen vor dessen Tod erfahren haben. Nun ist also nicht nur Gideon hinter ihm her, auch der Gefängnisdirektor lässt ihn nicht aus den Augen. Das also eine weitere Geschichte in der Geschichte.

Aber das ist noch nicht alles. Hart hat noch eine weitere brisante Verstrickung für die Leserschaft parat: Elizabeth soll bei der Befreiung eines Entführungsopfers die beiden Täter mit unverhältnismäßig vielen Kugeln zur Strecke gebracht haben. Sie ist vom Dienst suspendiert und muss nun die Untersuchung abwarten. Wie bei Gideon handelt es sich auch hier um einen jungen Menschen, Channing. Sie wuchs in einem behüteten Elternhaus auf, an Geld mangelt es nicht. Der Autor legt noch eine Schippe drauf und behandelt das Thema der gut situierten Frau mit einem Suchtproblem gleich mit dazu. Dass sich die Erzählstränge nicht verheddern, es immer spannend bleibt und das Tempo immer höher wird, das ist Schreibkunst.

Jeder ist mit jedem irgendwie im Konflikt, Vertrauen ist selten da. Ob es nun Elizabeth mit ihren beiden Schützlingen ist, die Adrian helfen möchte ihn vom Verdacht ein Mörder zu sein zu befreien. Oder der Gefängnisdirektor mit seinen Wärtern, der gewisse Drähte zur Polizei hat und unbedingt alle Beteiligten mit Gewalt zum Sprechen oder zum Schweigen zu bringen. Der Prediger, der liebend gerne seine verloren geglaubte Tochter wieder in seiner Kirche empfangen würde, sie alle ringen miteinander um die Wahrheit. Mittendrin aber passieren weitere Morde an Frauen, die wie Gideons Mutter in der alten Kirche aufgebahrt werden. Und alle nach der Freilassung von Adrian. Ist er doch der Täter?

Hart verbindet Machtspiele, Korruption, falsch verstandenen Glauben, den Wunsch nach Rache und das ewig gleiche Bindemittel: Geld, gekonnt miteinander. Dass die Gewalt, ausgeübt mit einem Gegenstand, der in der westlichen Welt nirgends so leicht offiziell und legal zu bekommen ist wie in Amerika, am Ende für alle Beteiligten doch auch erschreckend ist, ist ein geringer Ausgleich für alle positiv besetzten Gefühlslagen der Protagonisten.

Weiter Informationen über den Autor zum Beispiel unter: https://de.wikipedia.org/wiki/John_Hart_(Schriftsteller)

https://www.randomhouse.de/Buch/Redemption-Road-Strasse-der-Vergeltung/John-Hart/C-Bertelsmann/e497093.rhd#writeComment

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Die dritte Stimme

Die dritte Stimme von Rolf Boerjlind

 

Von Cilla und Rolf Börjlind „Die dritte Stimme“ ist der zweite Band einer Reihe, wobei durch gut eingebaute Rückblicke der Leser eine Ahnung davon bekommt, was alles beim ersten Teil schon passiert sein muss. Auf dem Klappentext wird der Svenska Dagbladet zitiert: „Olivia Rönning und Tom Stilton sind als Ermittlerduo einsame Klasse!“ nur dass der erste Kontakt zwischen den beiden über 350 Seiten benötigt. Dann schleichen sie langsam aneinander heran, ergänzen sich dann aber unglaublich. Das macht einem wirklich Appetit auf die anderen Bände dieser Reihe. Informationen gibt es zum Beispiel unter https://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_B%C3%B6rjlind

Die Anfangssequenz dieses Thrillers wirkt wie ein eiskalter Regen nach einem herrlichen Sommertag. Eine junge Frau stürzt sich in den Tod. Doch wer ist sie? Im Laufe dieses Kriminalromans glaubt man immer wieder es herausgefunden zu haben, doch man soll sich nicht so leicht darauf verlassen.

Olivia Rönning, Absolventin einer Polizeiakademie, ist eine junge Frau, die noch nicht so recht weiß, ob sie nach dem Studium wirklich zur Polizei gehen soll, wie vorgeschlagen. Ihre Vergangenheit lässt sie nicht los, beide Elternteile sind ermordet worden. Nach einem Auslandsaufenthalt kommt sie zurück in ihre Heimat, trifft sich mit ihrer Adoptivmutter, da wird in der Nachbarschaft ein Mann Tod von seiner Tochter, Sandra, aufgefunden. Angeblich Suizid. Olivia kümmert sich um die Tochter, da kristallisiert sich langsam heraus, dass es ein Mord gewesen sein muss. Ihre Mentorin von der Polizei möchte sie eigentlich heraushalten, aber Olivia ist schon mittendrin, weiß sie doch, welche Gefühle als überlebender Familienteil eines Mordes einen ständig hin und her reißen. Sie will Sandra nicht im Stich lassen und den Mörder finden.

Tom Stilton hat nach einem Zusammenbruch mehrere Jahre auf der Straße gelebt. Davor war er ein erfolgreicher Kriminaler, der erst bei den Ermittlungen an dem Mord an Olivias Vater so langsam wieder auf die Beine kommt. Im Zusammenspiel mit anderen Protagonisten, unter anderem einem Ziehsohn von Olivias Mentorin, Abbas, schaltet sein Geist endlich wieder um, es will analysieren, rekonstruieren, Probleme und Geheimnisse lösen. Abbas wiederum erfährt vom Mord an seiner einstigen Geliebten aus einem Zirkus in Frankreich und bittet Tom darum, ihm bei der Aufklärung zu helfen. Und so fahren die beiden dorthin, lassen sich vom zuständigen Kollegen vor Ort informieren.

Langsam kommen beide Erzählstränge immer näher, alle Beteiligten kennen sich lange, bis sie endlich aufeinanderprallen und sich gegenseitig beim Aufklären der Morde helfen können. Was da alles auf den Tisch kommt, warum ein Nachbar sterben musste, was ein Journalist damit zu tun hat, warum die ermordete ehemalige Geliebte, blind und verwitwet, sich mit Pornos ihren Lebensunterhalt verdient, das sind Geschichten, von denen man kaum glaubt, dass sie irgendwann zusammenführen können. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was sich das Autorenduo hat einfallen lassen. Die dritte Stimme ist ein sehr spannender in die Abgründe der Menschheit schauender Thriller, der sich gewaschen hat. Man taucht tief ein in schwedische aber auch französische Lebensarten, versteht, warum manche ihren Beruf derart lieben, dass sie die eigene Gesundheit aufs Spiel setzen. Wer Lust auf eine andere Reihe hat, der ist hier bestimmt gut aufgehoben.

Cilla und Rolf Börjlind gelten in Schweden als wichtige Drehbuchautoren für Kino und Fernsehen. Auch im ZDF sind Folgen ausgestrahlt worden, bei denen sie mitgewirkt haben.

Acht Berge

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Eine Erzählung, wie die von Paolo Cognette „Acht Berge“, lässt uns daran erinnern, wie es sein kann, ohne viele Entscheidungsmöglichkeiten zu leben. Einfach und gut. Cognetti lädt uns ein, einer dreißigjährigen Freundschaft zwischen zwei Männern zu folgen, die beide ihr Herz an die karge Berglandschaft verloren haben. Der eine, Bruno, dauerhaft, der andere, Pietro, genannt Berio, mit Unterbrechungen. Sie lernen sich in jungen Jahren in einem fast vergessenen Dorf in den Bergen Italiens kennen.

Berios Mutter hat sich durchgesetzt im Sommer ein Haus fernab von Mailand zu mieten, am Rande des Monte-Rosas-Massivs. Diese Mutter ist eine der starken Frauen im Roman, wie sie es alle sind. Erst durch ihren Eingriff kommt es überhaupt dazu, dass die Jungs erste Worte wechseln. So wortgewandt wie die Mutter von Berio ist, so still ist die Mutter von Bruno. Nur dadurch wird jene von ihrem Mann verlassen, und sie kann das Leben leben, was ihr vorschwebt. Leider vermisse ich sie im späteren Teil des Buches, das ist einer der Gründe, warum ich nicht restlos begeistert bin.

Geprägt wird die Erzählung vom Vater-Sohn-Konflikt; Berio wird zur Enttäuschung für den Vater und umgekehrt, obwohl sie sich gegenseitig so viel geben. Zumindest die Liebe zu den Bergen von Berio kann der Vater für sich verbuchen, ansonsten gleicht er eher seinem früh verstorbenen Onkel. Still und in sich gekehrt, einer Beziehung zwar nicht abgeneigt aber doch abwehrend, geht er immer wieder in die Stadt zurück, um Schule und Studium zu beenden. Mit dem Vater mag er irgendwann nicht mehr mitgehen; dem nie still stehenden, die Gipfel im Eiltempo erstürmenden, ihm will er nicht folgen, das ist nicht seine Welt. Aber auch Bruno liegt mit seinem Vater im Streit, behandelt dieser ihn nie wie seinen Sohn. Erst gibt er ihn dem Senner in der Familie als billigen Hirten, später muss er Maurer beim Vater lernen.

Bruno bleibt in den vertrauten Bergen, Berio zieht es oft nach Asien, nach Kathmandu. Ohne es wirklich zu merken, vertauscht er nur die Berge. Als der Vater von Berio stirbt, vermacht er ihm eine verfallene Hütte in der Nähe der Alm von Brunos Familie. Schritt für Schritt kommt Berio dahinter, wie oft sein Vater mit Bruno nach seinem Zerwürfnis in den Bergen unterwegs war. Ihm wird bewusst, sie sind im Geiste Brüder. Und so bauen sie gemeinsam die Hütte wieder auf, nutzen beide diese als Ankerpunkt. Bruno übernimmt die Alm, wird Bergbauer, Berio kommt immer wieder zurück. Nur von Berios Familie gönnt uns der Autor einen tieferen Einblick, erzählt er uns die Entstehungsgeschichte und wie Berio zu seinem Namen Pietro gekommen ist.

Was komplett außen vor gelassen wird, ist die technisierte Welt, der Konsum, Fernsehen, Smartphones, einfach alles. Teilweise kommt man sich vor, als spiele die Geschichte in einer längst vergangenen Zeit, aber dem ist nicht so. Eine junge Frau entscheidet sich bewusst für Bruno, um sich als Sennerin zu versuchen. Kein Friseur, kein Laden, nichts lenkt sie ab von ihren Kühen. Auch Berio, den der Autor so gerne verreisen lässt, hat meist nicht mehr verdient, als seine Reisekosten gerade so zu decken. Selbst seine Wohnung gibt er auf, was plagt er sich mit unnützem Zeug beim Umzug. Es steckt viel von Cognetti in diesem Buch, diesen Eindruck habe ich zumindest gewonnen. Die Reduktion auf ein Minimum bei allen Anteilen des Lebens, im Gegensatz zu Konsumrausch und Medienabhängigkeit. Das Buch landete in Italien unter den Top-Ten-Bestsellern und ist bereits in mehr als 30 Ländern in Buchläden zu finden.

Ein Interview mit dem Autor findet sich zum Beispiel unter https://www.randomhouse.de/Paolo-Cognetti-Acht-Berge-DVA/Interview/aid75672_14329.rhd

Unter https://it.wikipedia.org/wiki/Paolo_Cognetti befinden sich, leider nur auf Italienisch, weitere Informationen.

Die Schanin hat nur schwere Knochen!

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„Wenn wir mehr solcher Mitarbeiter im Familienpsychologischen Dienst hätten, wären wir besser dran“, mit diesen Worten hat mir eine Freundin das Buch von Sophie Seeberg „Die Schanin hat nur schwere Knochen – Unerhörte Geschichten einer Familienpsychologin“ empfohlen. Wobei das Cover eher nicht danach aussieht, als ob das Thema schwieriger Familienstreitigkeiten vor Gericht ernst genug betrachtet wird. Das Gegenteil aber ist der Fall, das Titelbild wohl nur verkaufsfördernd witzig gestaltet. Die Autorin legt zwar Wert auf eine gute Prise Humor, aber eben nicht nur. Und die Familie, die auf dem Cover so präsent skizziert worden ist, ist ausnahmsweise auch noch der Fall, bei der die Liebe zu Kindern und auch untereinander, miteinander Spaß haben, spielen, und viel Zeit miteinander zu verbringen, sehr hoch gehalten wird. Hier sind es eher die alltäglichen Dinge, die komplett auf der Strecke bleiben. Essen zubereiten, waschen, Kindererziehung, Regeln einhalten und vieles mehr.
Gerade bei diesem Beispiel kann man nachvollziehen, wie wichtig es ist, eine gemeinsame Sprache zu finden, damit eine Familie überhaupt erreicht werden kann. Denn warum die Familienhelferin nicht den Haushalt macht, obwohl sie es so schön erklärt wie man es machen soll, ist für die Familie unbegreiflich. Vor allem, weil ihnen die Kinder weggenommen werden sollen, wenn nicht bald etwas passiert.
Was Seeberg im Zusammenspiel mit Mitarbeitern von Gericht, Jugend- und anderen Ämtern erlebt, um das Beste für Kinder bei Gericht zu erreichen, das ist schon zum Teil sehr traurig, manchmal komisch und immer aufreibend. Ihr Schreibstil ist flüssig und das Buch gut zu lesen. Man nimmt ihr die Sorge um Kinder gut ab, die sich zum Teil in Situationen befinden, die einem den Atem rauben.

 

Besondere Umstände

 

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Nachdem ich den dritten Band in der Reihe von Gabriela Kasperski „SICHT UNSICHTBAR“ zuerst gelesen habe und im Juni 2016 rezensiert hatte, habe ich nun den in einer neuen Ausgabe aufgelegten zweiten Band „BESONDERE UMSTÄNDE“ von ihr gelesen.

Besondere Umstände, darauf weist der Kinderwagen auf dem Cover schon hin, ist ein Kriminalroman, bei der Kinder, Kinderwunsch, Adptionen, Kinderhandel beziehungsweise Kinderraub die Hauptrolle spielen. Es ist vielleicht nicht gerade das beste Geschenk an eine werdende Mutter oder eine die es werden will. Denn emotional werden die Themen allesamt behandelt. Dabei werden auch die Befindlichkeiten der Männer nicht vergessen.

Zita Schnyder, die Lebensgefährten von Werner Meier, einem Commissario, bekommt in einer Gewitternacht ihr Baby. Dabei ist sie nicht alleine, ihre gesamte Baby-Yoga-Klasse kommt nieder. Das sind viele verschiedenster Frauen und deren Familien, die alle ihre Erwähnung finden. Und dann wird in dieser ereignisreichen Nacht, kaum, dass alle zur Ruhe kommen, eines der Babys entführt. Doch kein Erpresserschreiben geht ein, keine Spur findet sich.

Kurz vor der Niederkunft der Frauen wird eine Sozialarbeiterin ermordet, die sich in ihrer früheren Wirkungsstätte um Adoptionen gekümmert hat. Die Spur führt zu einem Jugendlichen, der von ihr betreut worden ist. Allerdings ist sie sehr offensichtlich, zu offensichtlich für Commissario Meier. Meier wiederum will auf keinen Fall im Entführungsfall des Babys ermitteln, fühlt er sich doch befangen. Bei Zita kommt das allerdings sehr schlecht an.

Die Autorin beschreibt anhand der verschiedenen Protagonisten, wie es ist, ein Kind zu wollen, zu bekommen, es unbedingt zu wollen, aber keines zu bekommen, eines zu bekommen, aber überhaupt keine Freude zu verspüren; und zwar bei Männern und Frauen. Hier kommen alle zur Sprache. Die Übermutter wie auch diejenige, die keinerlei Gefühle zu spüren scheint, die, die immer dann wieder schwanger wird, wenn es in der Ehe besonders kriselt. Aber es sind auch diejenigen dabei, bei denen es selbst mit einer normalen Adoption nicht klappen will, zu einem Kind zu kommen. Dann wird es kriminell. Kinder werden geraubt, nicht nur im Ausland, nein, auch in der Schweiz, und das nur, um es auf raffinierte Art und Weise als eigenes Kind ausgeben zu können.

Kasperski macht es uns nicht so leicht, sind es doch gleich mehrere Fälle von Schwangerschaftsvortäuschungen, die man sich bei den Baby-Yoga-Damen vorstellen kann. Dabei spielt auch der Mord an der Sozialarbeiterin eine große Rolle, ist der Tatverdächtige doch ein Cousin eines der werdenden Väter. Zita bringt mit ihrer Rechthaberei, ihrem Selbstbewusstsein und Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit so manche Spur durcheinander, mir geht ihr Getue ein wenig zu weit. Es nervt, auch die Schwangerschaftshormone einbezogen, doch etwas zu sehr, was sich ihr Freund Meier so alles anhört und nicht so recht handelt. Dafür raufen sie sich aber immer wieder zusammen, was ja auch wieder für den Fall gut ist. Leider ist Zita nicht die einzige Schwierige Persönlichkeit, die einem gehörig gegen den Strich geht, aber vielleicht ist das ja auch so beabsichtigt.

Die vielen Fäden, die die Autorin hier gesponnen hat und wie ein großes Netz um all die sehnsuchtsvollen Frauen nach einem eigenen Kind gelegt hat, das ist sehr spannend. Dass sie keinen der vielen Protagonisten vergessen hat, da kann ich nur sagen: Hut ab, das vermisse ich bei vielen Autoren. Die Themen rund ums Kinderbekommen, sind vielfältig besprochen, vom Geburtskanal bis zum künstlichen Schwangerschaftsbauch, Milcheinschuss und Babyblues. Selbstverständlich werden alle Taten aufgeklärt, wenn auch nicht für alle glücklich. Am Ende des über fünfhundert Seiten starken Buches werden die unterschiedlichen Gruppen und Schauplätze vorgestellt, schade, das hätte ich gerne am Anfang gewusst, um ab und an eine Auge darauf zu werfen.

Das Panama Erbe

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Der zweite Teil der Trilogie von Susanne Aernecke „Das Panama Erbe“ ist vom Schreibstil und Form wie der erste Teil „Tochter des Drachenbaums“ verfasst. Auch hier gibt es zwei Zeitebenen, nur jetzt jeweils um eine Generation verschoben und mit anderen Schauplätzen.
Um was geht es? Sina, Erbin eines Bankenimperiums aus Panama, und, wie sich später herausstellt, eines Pharmakonzerns bekommt aufgrund eines Geschenkes ihres Partners Felipe einen Flashback. Als Kind hat sie miterleben müssen, wie ihre Eltern auf La Palma bei einer Explosion ums Leben kamen. Ihr Gehirn stellt aufgrund dessen sein analytisch-faktisches Denken ein, dass es ihr bisher überhaupt ermöglichte, auf die Harvard Business School eine Eliteuniversität der USA, zu gehen. Daraufhin geht sie zu einer Therapeutin, die ihr rät, sich ganz auf sich zu konzentrieren, auf ihre Instinkte einzugehen. Während einer Vernissage trifft sie auf einen Kuna-Indio aus Panama, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. Auf ihre Instinkte hörend, reist sie zurück in ihre Heimat, um herauszufinden, was da mit ihr passiert ist. Die Großeltern sind aufgewühlt und Felipe reist ihr eilig hinterher. Dessen Bruder Julio, Adoptivsohn eines ehemaligen Drogenbarons, hat es gleich auf beide, Sina und Felipe, abgesehen. Julio will die Welt verbessern, am liebsten mit dem Erbe von Sina und Felipe. Sina will sich unbedingt mit dem Kuna-Indio treffen, wobei sie feststellen, sie gehören zusammen. Das passt weder Felipe noch dessen Bruder. Bei einer Rangelei auf dem Meer kommen scheinbar Sina und Felipe ums Leben. Und nun kommt Amakuna ins Spiel. Das aus einem Pilz gewonnene Lebenselixier holt Todgeweihte ins Leben zurück, heilt sie innerhalb weniger Stunden. In diesen Stunden träumen die mit dem Pilz behandelten Menschen von vergangenen Tagen, hier von der Zeit, als die Spanier sich Panama unter die Nägel gerissen haben. Und auch hier gibt es Menschen, die mit Amakuna in Berührung kamen. Diese träumen wiederum von der Zukunft. In der Vergangenheit ist da nun Tamanca, der mit seinem Vater in die neue Welt auswandert und Zwischenstation auf La Palma macht. Dort will er seiner Mutter nachzuspüren, die eine Heilerin war und Amakuna beschützt hat. Tamanca nimmt nun den Pilz mit in die neue Welt. Im Folgenden passieren viele Abenteuer, wobei es immer um ein Liebespaar in der Vergangenheit gibt und eines in der Zukunft, die auf den Pilz aufpassen müssen, damit er nicht in falsche Hände gerät.
Sicher, auch ohne den ersten Teil gelesen zu haben, kann der zweite Band der Trilogie genossen werden, weil alles erklärende sehr gut erläutert wird. Aber für den interessierenden Leserkreis macht es sicher Lust, sich auch diesen zu kaufen, falls noch nicht vorhanden. Solide, mit vorhandenem Spannungsbogen, vielen Wendungen und Hingabe zur Natur, Urvölkern und der spanischen Geschichte verfasster Roman. Ich habe nur wenige Fehler entdecken können, die Autorin weist im Anhang auf veränderte Geschichtsdaten hin, die für ihren Roman abgewandelt worden sind. Und Übrigens … das Ende macht auf jeden Fall Lust auf den dritten Teil …
Die einzelnen Protagonisten lassen sich nicht gleich für die eine oder andere Seite einspannen. Es sind und bleiben, bei all der Phantasie der Autorin, Menschen mit Ecken und Kanten, die Fehler machen, sich die Freiheit herausnehmen auch mal eine Entscheidung zu revidieren und sich Verführungskünsten hingeben. Macht, Habgier, Geld und Gold, die Uruntriebe der Menschen spielen im Buch die Hauptrolle, neben der, eine Sache wirklich geheim zu halten.
Wer sich gerne Abenteuerlust, Geheimnisse, Rätsel und Liebe verlieren will, in zwei verschiedenen, fast 500 Jahre überbrückenden Welten verweilen mag, der ist hier richtig.

Mehr Informationen zum Beispiel unter www.amakuna-saga.de oder www.susanne-aernecke.de