Maupassant

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Wenn aus einer Französischlektüre im Schulunterricht eine Passion wird …
… dann kann daraus ein Roman entstehen, wie bei Arne Ulbricht „Maupassant“.
Es war wohl, wie der Autor schreibt, sein Französischlehrer, der ihm im Leistungskurs die Novellen, Romane, Gedichte und andere Schriften von Maupassant näher brachte. Er „verschlang“ während seines Romanistik-Studiums so gut wie alles von Guy de Maupassant, recherchierte viel über ihn und kam auf die Idee, einen Roman über dessen Leben und Wirken zu schreiben. Nicht alles ist auf den Nachlass zurückzuführen, vor allem die wörtlichen Reden musste er dazu dichten, Zeitgenossen weglassen, die ein oder andere Person dazu. Schließlich sollte es ein lebendiger Roman werden, keine Nacherzählung oder Aneinanderreihen von Ereignissen.
So wurde es ein leicht lesbares Buch, der Einstieg beginnt mit den tragischen letzten Wochen des Schreibkünstlers. Von Kopfschmerzen geplagt, das Augenlicht beeinträchtigt, er hatte das Gefühl zu erblinden, alles zu vergessen, selbst wer er war, wie er war, wo er war. Drogenmissbrauch und Syphilis haben schlimme Spuren hinterlassen, er konnte kaum noch schreiben beziehungsweise sich an seine Geschichten erinnern, Selbstmordversuche trieben ihn in die Klinik.
Nachdem wir also vom zu erwartenden furchtbaren Ende Maupassant erfahren haben, beginnt der Autor chronologisch mit der Kindheit, Schulzeit, erste Begegnungen mit Flaubert und anderen Schriftstellern jener Zeit. Darunter erwähnt Ulbricht auch noch Zola, Goncourt, Turgenew, Bouilhet. Zu diesen Schriftstellern bekommt er Kontakt durch die eigene Familie. Und Jeder Besuch bei Flaubert erzeugt den nächsten Namen, den er für seine Zwecke, seinen Bekanntheitsgrad zu vergrößern, Veröffentlichungen in kleineren Zeitungen zu platzieren, nutzen kann.
Obwohl die Mutter ihm und seinem jüngeren Bruder sehr viele Freiheiten lässt, sie hatte sich schon früh vom Vater der Jungs getrennt, und ihnen eine abenteuerreiche Jugend beschert, muss er doch später in ein streng katholisches Internat, dass er nur erträgt, weil er dort Gedichte und kleine Novellen anfängt zu verfassen. Von seiner Zeit als Soldat im französisch-preußischen Krieg gibt es wohl nicht sehr viel Material. Aber dass er, statt Jura zu studieren, langweilige Jobs in Ministerien verrichtet, die ihn gerade so über Wasser halten. Seine Zeit verbringt der junge Maupassant mit Freunden beim Rudern auf der Seine, gemeinsame Theaterstücke verfassend, Gedichte und Novellen schreibend. Immerzu wartet er auf den Durchbruch.
Ulbricht beschreibt auch Begegnungen mit Frauen, Maupassants sexuelle unstillbare Lust, dass er sehr oft zu Prostituierten ging aber auch ältere Freundinnen hatte. Dass er zu viel Zeit mit Prostituierten und Rudern verbringt, statt mit dem Schreiben, warf ihm auch Flaubert vor.
Dieser biografische Roman bringt mit seinem lockeren Schreibstil das Leben des Schriftstellers dem interessierten Leser näher. Wer aber tiefergehendes erwartet, wird enttäuscht sein. Ulbricht verweist daher zu Recht, dass es sich nicht um eine Biografie von Maupassant handelt, diese gibt es bereits. Nein, es ist eine ganz andere Art, das Leben eines Berühmten quasi wieder auferstehen zu lassen.
Leider ist das Inhaltsverzeichnis ganz am Ende gesetzt, dafür sind alle Quellen der erwähnten Gedichte, Novellen, Roma und so weiter akribisch aufgeführt.
Angehende Schriftsteller, die glauben, in diesem Buch Weisheiten darüber zu erfahren, wie man schnellstmöglich seine Werke veröffentlichen kann und großen Erfolg erzielt, denen sei folgendes gesagt: entweder man ist ein Genie der Worte, oder man muss üben, üben, üben. Und selbst dann kann es nicht schaden, wie bei Maupassant, gute Kontakte zu pflegen. Doch auch er brauchte Jahre, um endlich von seiner Schreibkunst leben zu können.
Weitere Informationen erhält man im Netz zum Beispiel unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Guy_de_Maupassant
Über den Schriftsteller Arne Ulbricht unter http://www.arneulbricht.de

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