milk and honey – milch und honig

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Kaum Satzzeichen, kaum Großbuchstaben, mal nur Zweizeiler, mal eine Seite lang Poesie. So gestalten sich die Texte von Rupi Kaur in ihrem Buch „milk and honey/mich und honig“. Nun werden sich manche Leser fragen, wie sie dann den Sinn ihrer Sätze erfassen sollen, doch das ist kein Problem. Die vier großen Themen, die in ihrem Werk behandelt werden, vom Schmerz, der Liebe, vom Zerbrechen und der Heilung sind zum Teil mit einer Wucht, die einen zusammenzucken lässt.
Vom Schmerz des Missbrauches, sei es körperlich, seelisch, mit Worten, Taten oder Unterlassen, das kann man nachspüren, empfinden, mit ihr weinen. Genauso verhält es sich bei ihren anderen Kapiteln. Umrahmt werden diese mit ihren eigenen Zeichnungen, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Sexuelle Gewalt in jeglicher Form, auch deren Duldung in einer Gesellschaft, das ist einer ihrer Hauptanliegen, das offen zu legen. Das ist natürlich nicht neu, doch von ihr anders aufgegriffen. Ihr Spiel mit den Worten gleicht einem Tanz mit vielen Partnern.
Die Umschlaggestaltung und Zwischenseiten sind hauptsächlich mit schwarzem Papier und weißer Schrift gehalten, was den Leser zwingt, seine Augen, seine Sichtweisen umzustellen. Die Texte und Grafiken sind wie üblich gestaltet, das Buch in handlichem Format. Jede Seite beinhaltet eine Geschichte beziehungsweise wenige Worte, die ausreichen, um die Phantasie des Lesers anzuregen. Manchmal steht der Text mitten in ihrer Grafik, die im Zusammenspiel verstörend wirken. Sie sollen ja auch aufmerksam machen, aufrütteln, die Worte schreien vor allem regelrecht ihre Wut, Aggressionen, Hilflosigkeit heraus. Man bekommt eine Ahnung, welche Gewalt in einer Familie herrschen kann, genauso wie durch Fremde, Freunde, Bekannte. Aber die Autorin zeigt auch Wege auf, damit fertig zu werden.
Ihre Sehnsüchte nach einer heilen Beziehung, die ewig halten soll erscheinen einem fremd, doch ihre Argumente sind einleuchtend. Denn warum erst hat sich der Mann um sie bemüht, wenn er es nicht ernst mit ihr meint? Die Schwierigkeit damit umzugehen, dass es doch nicht passt, zwischen zwei Liebenden, das Zerbrechen einer Liebe, das einhergeht mit dem Zerbrechen von Vertrauen in die Zukunft, in eine neue Liebe, das fragt sie sich, wie soll das gehen?
Für sie liegt die Chance in der Heilung. Zu sich zu kommen, sich selbst zu lieben, zu sich zu stehen. Dass das alles nicht einfach ist, sondern sie sich immer wieder hinterfragt, aber auch immer wieder Mut macht, sich auffordert zu sehen, was für ein toller Mensch sie ist, wir alle sind, damit kommt das Buch fast zum Ende. Ganz zum Schluss kommt ein Liebesbrief, von ihr an ihre Leser, ihr Dank, dass wir uns mit ihr befasst haben, den Mut gefunden haben durchzuhalten. Quasi zu uns selbst zu stehen. Immerzu.

Reime finden wir hier nicht, dafür machtvolle Sätze, die uns einprägsam erläutern, wie furchtbar es ist, wenn Menschen ihre Macht gegenüber anderen ausüben, wie sehr wir uns nach Liebe und Zufriedenheit sehnen, aber auch, wie einfach es ist, diese Träume immer wieder zu zerstören.

Ein Buch, zum immer wieder in die Hand nehmen, aufschlagen und ein paar Seiten lesen und wirken lassen.

Weitere Informationen finden sich zum Beispiel unter: https://www.rupikaur.com/ und unter: https://www.facebook.com/rupikaurpoetry/

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