Das Gesicht meines Mörders

978-3-499-27273-8

Das Thema dieses Psychothrillers ist bewährt und bekannt, der Gedächtnisverlust. Eine Frau, Clara Winter, wacht in einem Krankenhaus auf und erkennt nichts und Niemanden. Noch nicht einmal sich selbst. Ein schreckliches Verbrechen hat ihr ihr bisheriges Leben aus dem Gedächtnis gestrichen. Alle Menschen in ihrer Umgebung muss sie nun neu kennenlernen. Doch wer ist der Mann, der sich als ihr Ehemann, Roland, ausgibt? Bei dem sie zwar erspüren kann, dass er ihr nicht unangenehm ist, aber lieben sie sich wirklich?
Die Autorin lässt ihre Protagonistin in einen Spiegel schauen, der ihr bei weitem nicht behagt. Ist sie wirklich so gefühllos und berechnend, wie es ihr gesagt wird? Sie muss sich bei Kleiderwahl, Essen und anderer Vorlieben beobachten, um sich selbst zu erforschen. Und sie will ihre Vergangenheit Schritt für Schritt nachvollziehen. Dabei ist es wenig hilfreich, dass sie angeblich keine Verwandten und keine Freunde hat. Selbst ihr Ehemann ist ihr keine Hilfe dabei. Er will sie abschotten von der Außenwelt, vor allem vor der Polizei. Bei den Ermittlungen kommt erst wenig heraus, doch kleine Flashbacks bereiten Clara Sorgen. Als es ihr zu eng wird mit der Fürsorge ihres Ehemannes, reift in ihr der Entschluss, tätig zu werden. Sie besucht den Ort des Verbrechens und findet einige wenige Spuren. Nach und nach kommen nun Details ans Licht, die zum großen Showdown führen.
Kendrick hält den Spannungsbogen sehr wohl aufrecht, wenn „Achtung Spoiler“ nicht schon am Anfang ein winziges Detail auf die Wahrheit hinweist „Spoiler aus“. Das mindert nicht den Lesespaß, ist doch das Tempo hoch und die Richtungswechsel stetig. Das Ende könnte man schon unter dem Thema „Die Moral von der Geschicht“ zusammenfassen. Die Gefühlslage gegenüber den übrigen Protagonisten wechseln stetig, mal möchte man, dass Clara doch einem von ihnen endlich Vertrauen schenkt, einige Zeilen weiter möchte man sie gerade davor warnen. Sie findet heraus, dass sie mit einer Frau am Tag des Überfalls auf sie verabredet war, doch diese ist einfach nicht mehr zu finden. Wenn sie doch nur wüsste, wer diese überhaupt ist? Mühsam aber sehr mutig wagt sie sich vor, um das Geheimnis zu lüften.
Auf den Titel wird immer wieder zurückgekommen, versucht sich doch das Gesicht des Mörders über ihre Träume zu offenbaren. Die beschriebene retrograde Amnesie, also kompletter Verlust an Erinnerungen vor einem bestimmten Vorfall ist selten, vor allem, dass kaum oder nur bruchstückhafte Erinnerungen wiederkommen. Ein Mensch, der sich komplett darauf verlassen muss, dass all das wahr ist, was einem erzählt wird, das wirkt auf einem sehr beängstigend. Wenn dann auch noch sämtliche Papiere durch einen Brandanschlag verlorengegangen sind, wird es umso schwieriger, sein bisheriges Leben zu rekonstruieren. Mit welchen Schwierigkeiten man dann rechnen muss, besonders, wenn ein Verbrechen dahinter steckt, zeigt Kendrick sehr geschickt. Es lohnt sich also, diesen aus einem bewährten Thema bestehenden Kriminalfall zu lesen. Da das Buch in der Gegenwart geschrieben ist, macht es die Geschichte lebendiger.Der Umschlag ist geschickt gestaltet, mit haptischen Elementen, glänzenden und stumpfen, glatten und rauen Flächen. Ein Buch zu dem die Hände wollen. Ein rororo-Taschenbuch, in Deutschland für 9,99 Euro zu haben, Österreich verlangt 10,30 Euro.

https://www.rowohlt.de/taschenbuch/sophie-kendrick-das-gesicht-meines-moerders.html

 

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