Das Rachespiel

 

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Für den Urlaub geliehen bekommen: Das Rachespiel, von Arno Strobel. Es soll ein Psychothriller sein.
Achtung Spoiler!
Ein Psychothriller deshalb, weil sich dreißig Jahre, nachdem ein Kinderfreund verschwand, jemand ein böses Spiel mit den verbliebenen Freunden erlaubt. Die Protagonisten scheinen aus dem Baukasten entnommen zu sein, in dem die üblichen Figuren aufbewahrt werden, die für eine Kinderbande nötig sind. Das burschikose Mädchen, Manuela, der zu Hause tyrannisierte Junge, Jens, der Korpulente, Torsten, und einer, der den Anführer spielt, Frank. Aber da will noch einer mitspielen. Einer, der nicht zu den Schlauen aus der Schule gehört, „ein Idiot“, genannt Festus. Während einer Mutprobe, die ihm als Aufnahmeritual verkauft wird, verschwindet er spurlos. Was war passiert?
Hauptsächlich geht es um Ängste, Schuldgefühle, Verantwortungslosigkeit. Dabei darf nicht vergessen werden, es handelt sich um Kinder, etwa 13 bis 14 Jahre alt.
Dreißig Jahre später erhält Frank, einen USB-Stick, der ihn zu einem Spiel auffordert. Spielt er nicht mit, kommt es zu Opfern. Das Erste wird von Tieren bei lebendigem Leib gefressen, denn Frank glaubt nicht an das Spiel. Seine ehemaligen Freunde melden sich nach und nach bei ihm, auch sie erhielten den Stick, glaubten nicht daran, dass es Ernst war. Doch ein Video beweist das Gegenteil. Nun werden sie aufgefordert, sich am Eingang eines ehemaligen Atombunkers zu treffen. Und der ist real (ausweichsitz-nrw.de/). Die ehemaligen Freunde kommen erst gar nicht richtig dazu, sich wieder neu kennenzulernen, da werden ihnen schon die Spielregeln erläutert. Ihnen wird klar, es kommen nicht alle lebend aus dem Bunker, und ihre Familien sollen auch dran glauben. Das Licht wird knapp, es ist kalt, Handys funktionieren nicht, das gegenseitige Misstrauen ist groß. Eines ist jedoch klar: es geht um Festus, der Junge, der damals verschwand. Und von dem sie glauben, er ist tot. Doch wer will sich jetzt rächen? Die Spielregeln ändern sich laufend, es wird ihnen nicht klar, obwohl es im Laufe dieser Nacht immer offensichtlicher wird, keiner soll überleben. Aber um ihre Familien zu retten, tun sie fast alles. Und überall laufen Ratten umher. Warum sie nicht Jens, der schwer verletzt ist und viel Blut verloren hat, genauso überfallen und beißen, wie sie es bei den unverletzten Freunden tun, bleibt ein Rätsel. Genauso wie die Gefühlsschwankungen bei Torsten. Er führt sich äußerst aggressiv auf, weil er nun mal hier ist und das Spiel wegen seiner Tochter gewinnen will, dann wieder zartfühlend gegenüber Manu. Und auch über das erste Opfer darf nach Ende des Thrillers weiter gerätselt werden, wie und warum es zu diesem kommt, wer er ist, es bleibt geheim.

Dass der Täter aus dem engeren Kreis vermutet wird, liegt am Schreibstil, weitere Personen sind nicht beschrieben, auch bei den Rückblenden nicht. Nur Familienmitglieder und die Freunde. Trotzdem taucht fast zum Schluss ein völlig unbekannter Mann auf, ein Helfershelfer, der auch gleich sein Leben lassen muss, denn er hat seine Schuldigkeit getan. Und dann folgen die Erklärungen zur Lösung. Zwar völlig logisch, aber für den Aufbau des Thrillers viel zu spät eingeführt, es wirkt konstruiert. Zum guten Schluss kann sich Jens, obwohl durch eine schwere Verletzung gehandikapt, aus einer vertrackten Situation befreien. Schmächtig wie er ist, einen fast doppelt so schweren, großen, toten Mann seiner Waffe berauben, die unter ihm fest geklemmt schien, nach draußen laufen, den Täter erschießen und Frank aus einer Grube retten. Und das trotz großem Blutverlust und zeitweise kaum noch fühlbarem Puls. Meine Hochachtung. Da kann die Verletzung ja gar nicht so schlimm gewesen sein?

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