Die Sprache des Terrors

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In „Die Sprache des Terrors“ von Philippe-Joseph Salazar setzt sich der Autor intensiv mit den Worten des IS auseinander. Wie werden sie wann in welchem Zusammenhang wie benutzt, aber auch, welche Bekleidung die Mitglieder des IS tragen, welcher Hintergrundsprachgesang wird wann bei den veröffentlichten Videos genutzt, wo und wie sind diese zu sehen und wie hat sich die Szenerie im Zeitverlauf verändert. Erst durch eine intensive Analyse kann festgestellt werden, inwieweit sich die Sprache des Kalifats in die restliche Welt bereits integriert hat, eine vom Autor als parasitär bezeichnet, von uns jetzt schon selbstverständlich benutzt.

Salazar fungiert hier wie ein Übersetzer, der die uns fremde Welt des Kalifat näher bringt, weil es sich schon anhand seiner Sprache bei uns eingeschlichen hat, mithilfe unserer Medien, scheinbar ohne, dass wir es merken. Wir belächeln die blumige Sprache, die zum Beispiel die Selbstmordattentäter benutzen. Warum es uns in die Irre leitet, das erklärt der Autor. So wie die Unterschiede zwischen Westen, Kalifat und auch andere arabische Länder.

Salazar räumt zunächst mit Missverständnissen in der Sprache auf, als einer der ersten Punkte nimmt er sich Territorium/Terrorismus/Terrorist vor. Das Kalifat ist zwar das Territorium des IS, sieht aber den Rest der Welt als „besetzt“ von uns, dem Westen an, das man befreien muss. Wie war das eigentlich früher? Terror fügte ursprünglich der Herrscher über ein Territorium einem Verbrecher zu, indem er ihm „heilsame Furcht“ einflößte. Heute kommt der Terror von außen. Uns wird und soll „heilsame Furcht“ zugefügt werden, auf das wir erkennen, wer oder was das Beste für uns ist. Wir befinden uns im Krieg, benennen es aber nicht deutlich genug. So wie wir von Märtyrer und Selbstmordattentäter, von Terroristen reden und schreiben, obwohl es sich doch um Soldaten und Partisanen handelt. Außerhalb des Territoriums des Kalifat soll der Partisan unerkannt, ohne Uniform oder erkennbarer Waffen den Feind angreifen und zermürben. Solange wir aber nicht unsere Worte dafür benutzen, erkennen wir nicht das Ausmaß der Übergriffe. Der Autor warnt eindringlich davor dies zu unterschätzen.

Es wurde gelacht, als bekannt wurde, dass das Kalifat ausgerufen wurde. Doch benutzte der Anführer weder Pomp noch Trara. Und es ist ihm auch gleichgültig, ob andere Staaten das Kalifat anerkennen oder nicht, für ihn und seine Gemeinde ist es Fakt. Und auch wenn er zurückgedrängt wird, so wird es immer welche geben, die zum Kampf bereit sind. Salazar beschreibt anhand geschichtlicher Entwicklungen, wie zum Beispiel die Proklamation der Vereinigten Staaten 1793 vom Westen, dem alten Europa, verlacht wurde.

Um unsere jungen Frauen und Männer vor dem Weggang aus unseren Ländern hin zum IS zu hindern, wird vieles getan. Aber hat es auch Wirkung? Salazar hat sich die sogenannte Gegenpropaganda genau angeschaut. Wen soll sie ansprechen? Es ist bereits deutlich geworden, dass eben nicht nur die „Abgehängten“ Richtung Syrien aufbrechen oder zu anderen Trainingscamps auf der Welt, sondern viele kluge, studierende, in Ausbildung befindliche Männer und Frauen den „Westen“ und deren Werte verlassen und in den Dschihad gehen. Darauf weisen schon Gilles Kepel und Antoine Jardin in ihrem Buch „Terror in Frankreich – Der neue Dschihad in Europa“ hin. Doch zum Beispiel die Videos sprechen höchstens unbedarfte an, die zufällig darüber stolpern. Salazar versucht Hinweise dafür zu geben, indem er seine Analysen detailliert zur Verfügung stellt, das heißt, er zerlegt diese Videos in kleinste Sequenzen, um auf Fehler hinzuweisen. Es müssen andere Wege gefunden werden

Was mir zu wenig beschrieben wurde ist der Feminismus im Kalifat. Die Prägung auf dem Weg ins Kalifat, was es bedeutet als Frau sich von der Familie zu trennen und alleine, womöglich noch schwanger sich auf den Weg zu machen, darüber erfahren wir viel. Auch, was es mit den unterschiedlichen Ausprägungen in Europa und, vor allem aus den letzten Jahren aus Amerika, der Genderthematik, im Vergleich auf sich hat, lesen wir. Doch wie fühlen und leben, sprechen die Frauen, wenn sie dann in ihren „neuen“ Familien aufgenommen wurden?

Salazar schreibt selbstverständlich zunächst aus Sicht der Franzosen, vergleicht aber immer wieder auch Handlungs- und Denkweisen von Frankreich, Deutschland und anderen Staaten Europas. Ob es nun um die Diskussionsbereitschaft geht oder auch im Bezug zur Gesetzeslage und welche Möglichkeiten seiner Meinung nach absolut nicht genutzt werden.

https://www.randomhouse.de/Autor/Philippe-Joseph-Salazar/p603877.rhd

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