Die magischen Saiten des Frankie Presto

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Im Jahr 2016 gab es noch nicht sehr viele Bücher, die mich inspiriert haben, mich beeindruckt haben. Nun habe ich eines entdeckt. Die magischen Saiten von Frankie Presto von Mitch Albom ist für mich der Roman des Jahres 2016.
Es ist dieser Schreibstil, der mich verzaubert hat, mich immer weiter lesen lässt, mich verlieben lässt in den Hauptprotagonisten. Und der ist: das Talent namens Musik. Vielleicht auch der Geist oder die Gottheit Musik. Der es sich erlaubt, Neugeborenen danach greifen zu lassen, um sich so viel zu nehmen, wie es will. Um dann seine Schützlinge ein Leben lang zu begleiten, zu beobachten, wie sich in den Kindern die Liebe zur Musik entwickelt, wie sie anfangen es zu begreifen, zu leben, zu komponieren, ein Instrument zu lernen, sich damit zu äußern, zu kommunizieren. Die Stimme aus dem Off, die Musik, erzählt hier die Geschichte von Frankie Presto, dass sich kurz nach seiner Geburt ein großes Stück dieses Talentes genommen hat. Mitten in einer Kirche in Spanien des Jahres 1936, gerade gestürmt von Revolutionären und in Brand gesteckt, seine Mutter von einer jungen Nonne versteckt, kommt er zur Welt. Er wird gerade so gerettet, um ein Leben zu leben, das von Irrungen und Wirrungen nur so strotzt. Wir sind dabei, wie er als Waisenjunge die Musik entdeckt, er von einem Maestro im Gitarrenunterricht zu einem großen Künstler erzogen wird, er flüchten muss nach Amerika, als er noch nicht einmal zehn Jahre alt wird.
Albom lässt bereits auf der Flucht die ersten großen Musiker im Leben des Frankie Presto auftreten, wie zum Beispiel Django Reinhardt. In Amerika spielt er dann sogar mit Elvis Presley und vielen anderen Größen der Szene. Denken Sie sich einen Namen, Frankie Presto hat ihn gekannt. Wie der Autor es aber dazu kommen lässt, das zeigt die Komposition seiner Sätze, die einen erspüren lassen, genauso hätte es sein können.
Bereits in Spanien lernt Frankie Presto seine Frau Aurora kenne, dabei sind sie noch kleine Kinder. Beide spüren, sie sind füreinander geschaffen. Doch verlieren sie sich wegen des Krieges aus den Augen, fast schon sofort. Der Wunsch sich zu finden, um miteinander zu leben, geht zwar auf, aber es wird zu einer tragischen Liebesgeschichte, die seinesgleichen sucht.
Erzählt wir zwar in erster Linie aus der Sicht der Musik, die seine Talente nie aus den Augen verliert, doch es kommen vor allem die Wegbegleiter Frankies zu Wort. Es ist nämlich der Tag seiner Beerdigung und alle sind gekommen, die ebenfalls noch am Leben sind. Sie erzählen einem nicht weiter beschriebenen Journalisten Begebenheiten, wie es so war, mit Frankie zu spielen, von ihm gefördert zu werden oder ihn als Lehrer an der Gitarre erlebt zu haben. Ein Lied einstudiert, eine Textzeile geschenkt bekommen, ein zufälliges aufeinandertreffen mit ihm, den Stones und den Beatles.
Und da ist da natürlich die Sache mit den magischen Saiten. Immer wenn es darauf ankam und er diese Saiten spielte, schimmerte eine von ihnen Blau, riss und beeinflusste das Leben desjenigen, wegen dessen er spielte. Als er das bemerkt, zieht er sich über Jahre zurück, lässt sich nur noch selten blicken in der Musikwelt. Bis eines Tages …
Es passiert so viel in diesem einen Leben, man möchte gar nicht mehr, dass diese Geschichte endet, und doch tut sie es. Es schließt einen Kreis, den man am Anfang gar nicht recht beachtet hat und das ist ja auch absichtlich so geschehen. Das beschert einem so einige Aha-Momente und man nickt, ja sicher, nur so und nicht anders kann es passieren.
Mitch Albom bedankt sich am Ende seines Buches nicht nur auf die übliche Weise, sondern dankt auch Musikgrößen, wie zum Beispiel Tony Bennett oder Paul Stanley und Roger Mc Guinn, die eine Rolle in diesem Buch spielen sollten, es sind noch erheblich mehr.
Als Musikliebhaber kann man nur schwer diesem Werk widerstehen.
Mehr über den Autor findet man im Netz zum Beispiel über http://www.albom.com/
Mitch Albom, Die magischen Saiten des Frankie Presto, Lago Verlag 2016, Hardcover, 368 Seiten, ISBN 978-3-95761-130-7, Preis: 19,99 Euro.

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