DIE KUNST, ELCH-URIN FRISCH ZU HALTEN

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Zwei Mittzwanziger treffen sich nach einigen Jahren per Zufall in der Stadt wieder, der eine, Tim, holt den anderen, Bullwinkel, aus einer verzwickten Situation heraus. Die zwei ehemaligen Schüler stellen schnell fest, dass sie beide noch keinen Sex hatten, also immer noch der Jungfräulichkeit frönen. Auf einer Party lernen sie zwei Stewardessen kennen, die sie als ihre Entjungferinnen bestimmen. Als sie merken, dass die beiden Damen sich für harte Drogen interessieren, versprechen sie ihnen, etwas ganz besonderes zu besorgen und verabreden sich für Freitag, in vierzehn Tagen.

Der Autor macht nun erst einmal klar, um was es bei den Jungs geht, nämlich nur und ausschließlich um Sex. Vor allem Bullwinkel erklärt Tim bei jeder sich bietenden Gelegenheit, und das ist eigentlich immer, welche Informationen das Internet zu diesem Thema bietet, und das ist viel. Um es mit den Worten von Woody Allen mal zu sagen, ich weiß nicht ob ich so viel über Sex wissen wollte, geschweige denn entsprechende Fragen dazu stellen will. Näher gehe ich hier nicht darauf ein.
Tim und Bullwinkel überlegen nun, welche Droge sie den Stewardessen anbieten könnten, die sie bestimmt noch nicht kennen. Tim geht dafür in die Bibliothek, lässt sich beraten und lernt dabei eine nette Bibliothekarin kennen. Bullwinkel geht ins Internet und ruft Freunde an. Dabei bekommt Letzterer den Tipp, es doch mit Elchen, die psychogene Pilze gefressen haben, zu probieren. Sie müssten dann nur noch deren Urin auffangen und trinken, so wirken die psychogenen Pilze nicht mehr tödlich giftig für den Menschen sondern entfalten nur noch den Phantomflash. Also so machen sich die Zwei auf, um in den tiefen finnischen Wäldern einen Elch zu finden, der genau ihre Bedürfnisse befriedigt.
Die Abenteuer, die Hahn seine Protagonisten in Finnland durchleben lässt, sind, Wortspiel, Hanebüchen. Unter anderem lernen sie Victor, einen Homosexuellen kennen, bei dem sie eigentlich unterkommen wollten, es aber zu einer weiteren unglücklichen Situation kommt. Victor hat sie zum Essen eingeladen und seine besten Freunde gleich mit. Und hier dreht unser Autor so richtig auf. Tim sieht sich mit sexuellen Praktiken seiner Tischnachbarn konfrontiert, die ihm eindeutig zu viel sind. Er muss sich, ganz klar, etwas einfallen lassen, damit er aus dieser Situation herauskommt. Tja, und da kommen Nacktschnecken ins Spiel …
Erst nach etwa 300 Seiten kommt der Elchurin zur Sprache, wobei die Schreibweise des Wortes im Text mit dem Titel des Buches nicht korrespondiert. Die Witze sind manchmal nicht wirklich witzig, sondern ganz im Gegenteil, sie kippen, sind tief traurig. Vielleicht ist das aber ja auch Absicht, so richtig dahinter komme ich nicht. Keine Frage, das Buch ist voll von überraschenden Ideen, gerade zum Ende hin aber wird Sozialkritisches nicht vertieft beziehungsweise nur oberflächlich ankratzt. Unbequeme Themen hätte Hahn besser ganz weglassen sollen oder darauf mehr eingehen können. Aber dann hätte es sicher nicht mehr zum Buch gepasst. Dafür hat sich der Autor ja vielfach beim Thema Sex ausgetobt. Obwohl auch hier, bei näherer Überlegung, Gott sei Dank, einiges ausgelassen wurde.
Ausgerechnet auf den letzten Seiten will die Zeitschiene nicht so recht passen. Das wichtige Date mit den beiden Damen findet an einem Freitag statt, aber der nächste Tag ist irgendwie auch Freitag. Ein Telefonat weiter ist es plötzlich, wir sind ja eigentlich bei Samstag, ein Donnerstag und der nächste Tag soll der Freitag sein. Puh, kenne sich aus wer will. Alles passt nun mal nicht in einen Freitag, der, wie alle Tage, auch nur vierundzwanzig Stunden hat.

Mehr über Rochus Hahn findet man mit Leichtigkeit im Netz, einfach seinen Namen eingeben und schon kann jeder rumstöbern.

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