RATTENTANZ

rattentanz-9783548283937_xxl

 

Ich bin wahrscheinlich die Letzte, die „Rattentanz“ von Michael Tietz gelesen hat. Und dann auch nur die Kurzfassung von 2011. Allerdings ist diese schon ausreichend, um mir vorstellen zu können, dass das Buch die Bibel für Weltuntergangsverschwörer sein dürfte.
Nur für die wahrscheinlich einigen wenigen Leser, die das Buch noch nicht entdeckt haben sollten: An einem schönen Maitag um Punkt 7 Uhr am frühen Morgen unserer Zeit stoppen jegliche computergestützte Einheiten auf der Erde ihre Anwendungsprogramme. Punkt, Ende, aus die Maus. Flugzeuge stürzen vom Himmel, Fähren treiben im Meer, es gibt kein Wasser, kein Strom, nichts, was wir uns für ein normal geführtes Leben vorstellen können. Die berühmte Sekunde Null. Bis das aber ins Bewusstsein der Menschen eindringt, sind schon viele Menschen verstorben, denn auch die Notaggregate im Krankenhaus fallen irgendwann aus, Nachschub an Lebensmitteln wird es nicht mehr geben.
Und das in einer Zeit, in der Vorratshaltung ein Fremdwort ist, zumindest in unseren Breitengraten. Jep, da horcht der Verschwörer auf, denn nun sind all diejenigen gefragt, die Ahnung haben vom Improvisieren. Wo bekomme ich Lebensmittel, frisches Wasser und all die anderen notwendigen Dinge zum Leben her? Wie komme ich, so fragt sich ein Protagonist im Buch nun, aus Schweden zurück zu meiner Familie nach Wellendingen? Zunächst herrscht Anarchie, Chaos, Mord, Verzweiflung, es folgt Hunger, Zerstörung, Tot, und das Vermehren von unglaublich viel Schrott. Hans, der aus Schweden, und Eva, seine Frau, wollen nur noch eines: zurück zu ihrer Tochter. Eva hat es aber etwas näher, sie ist in einem Krankenhaus in Donaueschingen auf der Intensivstation als Schwester eingeteilt.
Auf vielen Seiten wird nun die Geschichte aus den Blickwinkeln der Flucht von Hans aus Schweden mit all seinen Bekanntschaften und Erlebnissen erzählt, genauso wie die von Eva und auch die deren Tochter, die von Anfang an im Dorf geblieben ist. Welche Abgründe der menschlichen Seele sich nun aufschwingt, um Böses zu tun, das hat schon Stephen King in „The Stand – das letzte Gefecht“ erzählt. Dort war es ein Krankheitsvirus, hier nun ein Computervirus. Und auch die Protagonisten im Buch ziehen in ihrer Situation witziger weise einen Vergleich mit eben diesem Buch. Nun, es handelte sich bei diesem Buch um die Kurzfassung, obwohl diese mit 926 Seiten doch recht lang dafür erscheint. Dabei frage ich mich, worin die Kürzungen wohl bestehen. Denn es gibt zwischendurch immer mal wieder Abschweifungen zum Rest der Welt. Unsere Regierungen sind gerade auf einer Konferenz weit ab vom Schuss beschäftigt und sind dennoch zur Untätigkeit verdammt. Atommeiler bei unseren Nachbarn gehen hoch, aber was daraus folgt, wird nicht erzählt. Und so weiter und noch mehr. Die Geschichten sind gut und locker erzählt, lange braucht man für die vielen Seiten nicht. Einiges wirkt ziemlich platt, aber ich denke, hier müssen so einige Figuren überzeichnet wirken. Wie würden wir denn handeln? wir sollten uns alle mal vorstellen, was mit uns selbst passiert, sollte dieser unwahrscheinliche Fall mal tatsächlich eintreten, dass gar nichts mehr geht. Es muss ja nicht gleich die ganze Welt treffen. Leider erfahren es ja immer wieder Menschen, wie in diesen Tagen. Soweit ist es gar nicht entfernt. Und ich geh jetzt mal in den Keller, meine Vorräte checken …

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s