Interview mit einem Mörder

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Es ist bereits der vierte Band mit dem Protagonisten Max Broll. Sind die vorhergehenden unbedingt wichtig? Nein. Nur wenige Stichpunkte als Informationen reichen aus, wie einzelne wiederkehrende Figuren zusammengehören. Die Geschichte steht ansonsten für sich selbst, und das ist gut so. Wichtig ist, wo sie spielt; in einem kleinen Dorf in Österreich, es ist der Lebensmittelpunkt von Max Broll, hier startet das Unheil, das auf ihn wartet. Wer ist aber eigentlich Max Broll? Er steht für die drei großen T: Trinker, Träumer, Totengräber. Das wahre Alter ist schwer zu schätzen, im besten Mannesalter steht er wohl. Sein bester Freund, Mittrinker und Partyschmeißer ist Johann Baroni, ein ehemaliger Fußballprofi.
Die Story: Wenn der neue Pfarrer, Akofa, nicht mit seinem super Stoff bei Max aufgetaucht wäre, um ihn zum Kiffen zu animieren, wäre er vielleicht gedächtnismäßig besser drauf gewesen für das, was dann folgte. So aber kann er nicht wirklich im Nachhinein sein Verhalten erklären, dass er fast zu spät kommt, zur Eröffnungsfeier der neuen Würstelbude seines Freundes Baroni. Alles erscheint ihm sehr verschwommen, kann sich kaum auf den Beinen halten, lässt Reden über sich ergehen. Auch seine Erinnerung an den Schuss auf Baroni ist für ihn zunächst schwammig, sie geht unter in den Freudenschüssen der Brauchtumsgruppe. Hat er den Täter nun gesehen oder war es ein Trugbild, fragt er sich. Als er diesen dann nach einer durchgeheulten Nacht im Würstelstand aber auf der Straße sieht, da geht die Geschichte richtig los. Er jagt dem Täter hinterher, doch es glaubt ihm keiner, dass er ihn gefunden hat, war er doch während der Tat dicht wie eine Haubitze im Sonnenlicht. Und nicht mal seine Stiefmutter Tilda, eine ehemalige Kriminale steht ihm bei, sodass er sich gezwungen sieht, der Sache alleine auf den Grund zu gehen, schließlich geht es hier um seinen besten Freund, der um sein Leben kämpft. Dass ihn die Reise nun weitab von seinem geliebten Dorf führt, das kann er ja nicht ahnen.
Zunächst gemächlich beginnend, nun ja, in einem Krimi kommen schon mal Opfer vor, gleicht der Text jedem anderen beliebigen Kriminalroman, doch dann folgen derart starke Oha-Momente, folgen Drehungen auf Wendungen, dass es eine Freude ist zu lesen. Dazu kommt die etwas andere Art, wie die wörtliche Rede dargestellt wird. In Spiegelstrichen folgen die Gespräche, die keinerlei Gefühle beschreiben, wie: er strich sich verlegen durch die Haare; nein, Rede folgt auf Gegenrede. Der Leser wird mit seiner Phantasie völlig alleine gelassen und kann so seinem Kopfkino freien Lauf lassen. Kommt im Fließtext doch mal ein gesprochenes Wort vor, so ist dies kursiv gesetzt, damit es ja nicht falsch interpretiert werden kann. Überhaupt geht der Autor äußerst sparsam mit Worten um, es wird wenig ausgeschmückt oder ins Detail gegangen und doch kann sich jeder genau vorstellen, was wie wo passiert. Nur da, wo es nötig wird, wird auch nicht gespart.
Leserfreundlich sind auch die großzügigen Kapiteltrenner und nicht zu lang gehaltenen Absätze, sodass man das Buch prima für kurze Wegstrecken im Bus/Zug/etc. mitnehmen kann. Spannend, fies, auch mit den Gefühlen des Lesers gegenüber Max spielend, so ist dieser vierte Band mit dem Protagonisten Max Broll, dem Trinker, Träumer, Totengräber in seinem kleinen Dorf in Österreich.

Die ersten drei Bände mit Max Broll sind: Die Schöne und der Tod, Für immer tot und Leichenspiele. Immer um die 250 Seiten stark. Bernhard Aichner, Jahrgang 1972, lebt in Innsbruck und hat außer diesen Krimis noch andere Romane, Hörspiele und Theaterstücke geschrieben.

Näheres unter www.bernhard-aichner.at

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