SICHTUNSICHTBAR

abcdef

Es ist der dritte Teil einer Krimiserie, der für mich allerdings der erste in dieser Reihe ist, den ich gelesen habe. Dabei handelt es sich um die Kriminalgeschichte von Gabriela Kasperski „SICHT UNSICHTBAR“. Wer nun erwartet mit einem knallharten Thriller bedient zu werden, wird ent täuscht sein, je nach Interesse entweder positiv oder negativ. Hier wird in eine Familien/Freunde/Dorfgemeinschaftsstory ein Mord eingebettet, wobei es sich beim im Cover vorgestellten Ermittlerduo Schnyder & Meier nur bei letzterem um einen Commissario handelt.
Das Duo, ein nicht verheiratetes Elternpaar in einer schwerwiegenden Krise, leben sie doch nun schon seit einiger Zeit sehr beengt in einer Dachgeschosswohnung, und das mit einem Baby. Der gerade aus der Elternzeit wieder in den Beruf zurückgekehrte Commissario Werner Meier wird am Tag der Taufe seines Sohnes Finn zu einem Mord gerufen. Es handelt sich um den Pensionswirt Johan Havemann, bei dem die beteiligten Gründer des Projektes VillageGreen logieren, die unter anderem ausgerechnet dessen Grundstück samt Pension, angrenzender Fabrikhalle und Hühnerstall erwerben wollen. Es soll ein ökologisches Freizeit- und Erlebnis-Ressort der Extraklasse entstehen, direkt am hübschen Greifensee gelegen, und selbstverständlich sollen auch noch Luxuswohnungen im Anschluss daran gebaut werden. Dagegen wettert nun der Ranger des Naturschutzgebietes Silberbirke, der das Idyll in Gefahr gebracht sieht. Auf ihn fällt der erste Verdacht. Dass der Commissario Meier auch noch einen Hexenschuss erleidet, seine Freundin Zita mit dem Gedanken spielt wieder arbeiten zu gehen, seine eigene Vermieterin ihre Tochter vermisst und bei noch vielen anderen Nebenschauplätzen der Kollegen, Dorfbewohner und Projektleute seine Person benötigen, macht ihm den Wiedereinstieg nicht gerade leicht.
All die einzelnen Charaktere und ihre Verbindung zur Geschichte an dieser Stelle aufzuzählen würde die Rezension sprengen, wichtig ist mir, den Schreibstil zu erwähnen. Kasperski serviert uns gleich auf der ersten Seite starke Einstiege. Einmal eine Art Vision, Traum oder Erinnerung, die Böses ahnen lässt. Und weiter ein genialer Einblick in das Empfinden einer Fliege, wenn sie vor lauter Freude …
Aber ihre wahre Stärke spielt sie dann aus, wenn sie ihre in Stress geratenen Protagonisten in eine Art Tunnelblick fallen lässt. Die schnellen, kurzen Sätze, die Hast und Eile ausdrücken, dass die Personen nichts anderes mehr erfassen können, nur noch handeln um des Handelns Willen, das ist ausdrucksstark. Hier kann man erahnen, dass die Autorin sehr wohl auch einen Thriller schreiben könnte. Diese Absätze stärken die Geschichte mehr als alles andere und machen diese lesenswert. Sicher könnte es helfen, die ersten beiden Bücher dieser Reihe von Kasperski ebenfalls gelesen zu haben, um die ein oder andere Person besser einzuordnen, auf jeden Fall wäre es ein Lesespaß mehr. Da die Story in Österreich spielt, haben wir es mal wieder mit spezifischen Dialekten und sprachlichen Extras zu tun, die diese das Lesen bereichern. Um nun auf den Titel zurückzukommen, dieser passt hier genau. Was ist sichtbar, was unsichtbar; was sehen, erfassen wir sofort, was wollen wir vielleicht nicht wahrhaben, nicht sehen oder fühlen. Weil dieses zu schmerzhaft ist, uns an Dinge erinnert, die nicht sein sollen, können oder dürfen? Fast jede der Protagonisten in dieser Geschichte hat in der Vergangenheit Erfahrungen gemacht, die deren Handlungen nun verstärken oder verstecken, übertünchen oder bloßstellen. Interessante Charaktere, die man in einer so kleinen Gemeinschaft sicher nicht erwartet.

http://www.gabrielakasperski.com/aktuelleschreibprojekte.htm

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