Das geheime Leben der Bäume

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Wenn die Wissenschaft vom „Wood-Wide-Web“ spricht, dann meint sie nichts weniger als die Sprache der Bäume und deren Mitbewohner, die als Übertragungsleitungen dienen, namentlich Insekten und Pilze. Der Ur-Wald, unbenutzt vom Menschen, sieht mitnichten so aus, wie es sich die meisten vorstellen, nämlich eher aufgeräumt, einseitig und wirtschaftlich sinnvoll für die Forstwirtschaft. Aber das ist er nicht. Ganz im Gegenteil.

„Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben ist für mich DAS Sachbuch 2016. Irgendwie ist einem schon bewusst, dass alte Wälder, die kräftig durchmischt sind mit vielen verschiedenen Bäumen, für unser Leben sehr wichtig sind. Dass diese geschützt werden müssen und eben nicht aufgeräumt oder abgeholzt und verjüngt werden sollten, sondern die Wälder mit ihren Baumbeständen durchaus selbst ihr Leben regeln. Aber der Mensch möchte so gerne in alle Strukturen eingreifen, die Forsten nicht nur verjüngen sondern reine Nutzwälder schaffen, ihre Kronen stutzen, damit mehr Licht bis nach unten fällt, und und und. Wie schädlich diese Eingriffe der Menschen sind, kann erst nach Jahren beurteilt werden. Denn Bäume haben ein sehr viel längeres Leben als der Mensch, entwickeln sich entsprechend langsamer und die durch uns verursachten Schäden zeigen sich oft erst nach 50, 70 oder mehr Jahren. Der Autor beschränkt sich bei seinen Aussagen dabei auf Waldbäume, einige wenige auf Stadt- und Alleenbäume sowie auf heimische, typisch deutsche Bäume beziehungsweise ihren Lebensräumen, ihren Regionen. Denn Landesgrenzen gelten nicht für Bäume und ihre Helfershelfer. Wir erkennen nur mühsam an, dass auch Tiere Gefühle haben, sprechen viel von Nutztieren, Schädlingen und allenfalls geliebten Haustieren. Was aber ist mit den Pflanzen? Hier sprechen wir immer noch von einer Sache, die uns hauptsächlich nährt, obwohl auch sie Lebewesen sind. Verstehen wir nur einfach ihre Sprache nicht? Weil ihre Reaktionen erheblich langsamer sind, als die von Mensch und Tier?

Wohlleben hilft uns mit seinem Buch, die Kommunikation der Bäume zu verstehen, nicht nur untereinander, sondern auch mit den Insekten, die positiv wie negativ ausfallen kann, je nachdem, ob diese bei der Fortpflanzung helfen sollen oder für den Baum schädlich sind. Die Klimazonen der Wälder, die nicht nur für sich selbst, sondern auch der näheren und weiteren Umgebung von nutzen sind wird ebenso beschrieben wie die feindlichen Eingriffe der Menschen. Wie schädlich ist es für den Stadtbaum, wenn um ihn herum der Boden verdichtet wird? Oder die mitgebrachten Ableger aus vielen Ländern, die hier zwar keine Schädlinge zu erwarten haben, denen aber die Familie fehlt und deshalb oftmals früh absterben. Bäume, denen die Familie fehlen? Ja, wir müssen verstehen lernen, wie sie sich vermehren, wie viele Samen nötig sind, um zumindest ein Baumkind unter dem Schatten des Mutterbaumes am Leben zu erhalten.
Ich habe mir so viele Notizen gemacht, die den Rahmen der Buchbeschreibung sprengen würde. Was mir an diesen sehr gut beschriebenen Passagen rund um das Leben der Bäume gefällt: auch Wohlleben hat nicht auf jede Frage eine Antwort, und gibt das auch zu. Aber die Wissenschaft bleibt ja nicht stehen, täglich erfahren wir mehr. Vielleicht sollten wir in unserer schnell lebenden Zeit mal einen Schritt zurückgehen, vielleicht auch mal ins Baumzeitalter …

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