Der in Offenbach spielende Krimi von Cornelia Härtl „Finstere Geschäfte“ geht unter die Haut.
Es ist der zweite Band dieser Rhein-Main-Krimiserie, wobei der Schreibstil so gewählt ist, dass man nicht darauf angewiesen ist, den ersten Band unbedingt zu kennen. Vielleicht lockt gerade das dazu, sich auch „Böse Spiele“ der Autorin für den Herbst bereit zu legen.
Lena Borowski, Sozialarbeiterin, ist eine der Protagonisten, die in diesem gut strukturierten und bestens aufgebauten Thriller eine Hauptrolle spielt. Sie ist schockiert über den angeblichen Selbstmord einer Kollegin, Emilia. Warum sollte sie es tun? Nichts deutet darauf hin, dass sie solch starke Probleme gehabt hätte. Auch die Schwester der Verstorbenen kann es nicht nachvollziehen und wendet sich bei der Beerdigung an Lena. Bei der Recherche kommen beide Frauen nach und nach hinter die finsteren Geschäfte der Stadtverwaltung, die mit privaten Anbietern zum Beispiel Unterricht für schwer vermittelbare Personen durchführen. Emilia hat auf ihren zurückgelassenen Unterlagen auf Unstimmigkeiten der Abrechnungen hingewiesen War das der einzige Grund zur Selbsttötung? Aber auch die Kommissarin Jutta Ernst, die den Tod von Emilia zu den Akten legen soll, glaubt nicht an Selbstmord. Der zeitliche Ablauf passt einfach nicht zu ihren Ermittlungen.
Lena Borowskis Privatleben haben einen starken Einfluss bei den Recherchen. Ist sie doch einerseits in zwei Liebschaften involviert, andererseits in eine dritte Person verliebt. Für wen soll sie sich da entscheiden?
Und da gibt es immer wieder, in kursiver Schrift gesetzt, Hinweise auf einen gepeinigten Menschen. Eine junge Frau, unter falschen Voraussetzungen von den Eltern nach Deutschland geschickt, hier ausgebeutet von den eigenen Landsleuten. Schon auf den ersten Seiten sind die Schilderungen von Misshandlung, Gewalt, Unterdrückung sehr drastisch. Die empfundene Hilflosigkeit gegenüber den Opfern löst sicher bei vielen Lesern, so wie bei mir, Wut aus. Wut auf die Menschen, die andere für ihre Sehnsüchte oder das, was sie darunter verstehen, ausnutzen.
Wie nun passt das alles zusammen? Auf der einen Seite mögliche Korruption der Stadtverwaltung, das Liebesleben einer Sozialarbeiterin und ausgenutzte Frauen auf der anderen?
Geschickt verwebt die Autorin die einzelnen Stränge miteinander, nie wird es langweilig, im Gegenteil. Gut gefallen hat mir hier, dass die Autorin nie die Realität verlassen hat, das Thema aber auch nicht mit möglichen Ende gut alles gut Theorien angefangen hat. Nur am Ende wird die Geschichte hektisch, als ob nur noch wenige Seiten gefüllt werden dürften, das, was vorher im gut lesbaren Tempo geschrieben ist, wirkt nun abgehackt.

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