ZORN – Tod und Regen

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Auf dem Rückentitel des Krimis „Zorn – Tod und Regen“ von Stephan Ludwig werden die Ermittler Claudius Zorn und „der dicke Schröder“ als Kult-Ermittler aus Ostdeutschland dargestellt. Dass der Krimi im Osten Deutschlands spielen soll, merkt man nicht, wird so gut wie nicht erwähnt und daher im Grunde bedeutungslos. Außerdem, Kult, bereits im ersten Band? So dachte ich. Bis ich bei der Recherche herausfand, dass es sich um den ersten von bereits sieben Bänden handelt, die wohl in Halle spielen sollen. Und die ARD bereits fünf der Bücher verfilmt und dort sowie beim MDR ausgestrahlt wurden. Allerdings ist die Serie erst kürzlich eingestellt worden.

Zum Inhalt daher nur kurz: Eine Frau wird durch unendlich viele Schnitte zu Tode gefoltert. Der Staatsanwalt Philipp Sauer beauftragt Hauptkommissar Zorn damit, die Tat so schnell es irgend geht, aufzuklären. Doch so rechte Lust hat Claudius Zorn nicht. Der Autor stellt den Kommissar als recht faul, unwillig, selbstverliebt aber auch voller Selbstzweifel dar. Dabei ist er für sein Alter gut gebaut, der Figur nach sportlich durchtrainiert, ansehnlich, Kettenraucher und sehr Kurzsichtig. Er hat Probleme mit Frauen, Beziehungen sind ihm nicht fremd aber nach einer gescheiterten Ehe suspekt. Schlampig ist er obendrein. Schröder hingegen, klein, dick, belesen, intelligent, alleinstehend, voller Kraft, sportlich, scheint der wahre Ermittler in diesem Team zu sein. Er scheut sich nie, seine Meinung kund zu tun, ist außerordentlich engagiert, die neuesten Techniken sind ihm nicht fremd. Zorn hingegen weiß absolut nicht, was er in diesem Job noch zu tun hat und lässt sich nur sehr schwer motivieren. Nun aber haben es die beiden in kürzester Zeit mit mehreren Mordfällen zu tun, die sie schwer auf Trab bringen. Unglaubwürdig ist dabei, dass es in einer Stadt mit mehr als 200 000 Einwohnern ewig keine schweren Verbrechen gegeben haben soll. Ein Wunschtraum des Autoren?

Ein paar Ungereimtheiten beziehungsweise weitere merkwürdige Schreibweisen sind ebenso auffällig. Einer der Protagonisten beschreibt den zeitlichen Abstand, wann er seine Frau das letzte Mal angefasst haben soll, mit x-Jahren, x-Monaten und 43 Tagen. Hm, da lässt sich doch rein rechnerisch noch ein Monat zu den Monaten hinzuaddieren? Wer so penibel ist … Am Anfang liest es sich schwer ein, als reine Hausmannskost würde ich den Krimi bezeichnen. Die Ideen, die dann sichtbar werden, sind nicht schlecht, doch für meinen Geschmack zu dürftig ausgearbeitet, das ist sehr schade. Erst spät im Buch erfährt man, in welcher Jahreszeit beziehungsweise in welchem Monat die Morde geschehen sein sollen. Es ist auf jeden Fall kalt, es regnet unaufhörlich, die Stadt säuft regelrecht ab.

Da es sich nicht um eine erste Auflage handelt, die ich in den Händen halte, sondern um eine lizenzierte Neuauflage, wundert es um so mehr, dass hier scheinbar am Schlusspunkt gespart werden sollte. So oft wie in diesem Buch, ist mir das noch nicht untergekommen. Auch ein falsch getrennter Name fällt sofort auf und stört im Lesefluss. An einer Stelle wird von einem Abstand von 70 Metern gesprochen, an anderen Stellen beim selben Sachverhalt von mehr als 50 Metern. Zu durchschaubar für den Leser sind die einzelnen Protagonisten, ihre Handlungsweisen und Erkenntnisse, und man glaubt nicht im Ernst an den angeblichen Mörder.

Vielleicht liegt es an der Leichtigkeit und Überschaubarkeit, mit Sicherheit aber an den beiden Hauptdarstellern, dass diese Kult geworden sind, in fünf Teilen verfilmt und bei ARD und MDR ausgestrahlt wurden. Angeblich dürftige Zuschauerzahlen sollen für die Einstellung gesorgt haben.
Mehr über den Autor, den Inhalt dieser Serie und den Filmen zum Beispiel unter: http://www.krimi-couch.de/krimis/stephan-ludwig.html

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Lieb und teuer

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Ilan Stephani, die Autorin von „Lieb und Teuer – Was ich im Puff über das Leben gelernt habe“, hat freiwillig in Berlin in einem Edelbordell als Prostituierte gearbeitet. Ihre Erfahrungen und Schlussfolgerungen für ihr Leben und wie sich Prostitution ihrer Meinung nach auf die Gesellschaft auswirken hat sie in ihrem Buch zusammengefasst. Warum sie überhaupt über Hydra, der Prostituiertenorganisation in Berlin, auf die Idee kam, in einem Bordell zu arbeiten, kommt nicht so recht zur Sprache, nur, warum sie dann ebenso kurzentschlossen aufhörte. Immer wieder greift sie im Übrigen auf Statistiken zurück, leider ohne im Anhang oder in einer Fußnote auf einen direkten Link hinzuweisen, zu anderen Themen beziehungsweise Veröffentlichungen hingegen schon. An manchen Stellen greift sie so manche Methodik an, wie die Zahlen zustande gekommen wären. Es geht hier nicht um Zwangsprostitution oder dem Straßenstrich, der oft von Drogensüchtigen genutzt wird, sondern ausschließlich die freiwillige Arbeit im Puff, ohne Zuhälter oder anderen Personen, die irgendwelchen Zwang ausüben.

Schätzungen zufolge, so Stephani, gibt es zurzeit 400 000 Prostituierte in Deutschland, die Tag für Tag! von 1,2 Millionen Freiern besucht werden. Die Dunkelziffer ist sicher noch um einiges höher. Stephani erläutert, dass es sich dabei entweder um Männer handelt, die das erste Mal überhaupt ein solches Etablissement besuchen, die meisten allerdings wöchentlich oder einmal im Monat die Frauen aufsuchen. Das heißt, es ist mitnichten eine Sache, die nur am Rande der Gesellschaft stattfindet, sondern mittendrin geschieht. Jede Person muss einen Mann kennen, der bereits im Puff war. Ob im Freundeskreis, der Busfahrer, Politiker, Manager, Seefahrer … Doch ab wann zählt es eigentlich, ob man seinen Körper gegen Geld verkauft? Ein interessantes, nachdenklich machendes Beispiel gibt die Autorin vor. Ein Paar verlässt gemeinsam eine Veranstaltung, irgendwie ist klar, sie verbringen die Nacht gemeinsam. Um vorher ihren Hunger zu stillen gehen sie noch in einen Imbiss. Nach dem Sex stellt er fest: für 2,50 hat er einen Fick bekommen. Und nun?

Die Autorin beschreibt ihren Alltag im Puff und behauptet gleich am Anfang, dass sie bereits nach dem ersten Tag eigentlich alles begriffen hätte, alles Wissenswerte erlebt, doch was dann folgt, zeigt mir, dass dem mitnichten so war. Außer einem: dass die meisten Männer eigentlich etwas ganz anderes suchen und erhoffen, als allgemein angenommen wird. Die Zeit reicht beileibe nicht aus, um dem Mann ein echtes orgiastisches Vergnügen zu bereiten, sondern wenn, dann ausschließlich zur Ejakulation, ein gewaltiger Unterschied,wie uns Stephani erläutert. Und so kommt es, dass sie viele Männer nicht wirklich zufrieden gehen sieht sondern trauriger, um eine Illusion ärmer. Und manchmal wollen die Kunden noch nicht einmal das Eine, viele wollen Massagen, oder einfach nur reden. Den Grund sieht sie in dem immensem Druck unter der Männer stehen, sie müssen stark sein, nicht weinen, ganze Kerle sein. Wie es zum Beispiel die Werbung zeigt und unsere patriarchalische Gesellschaft dies vorlebt. Sex sells, riesige Plakate mit entsprechenden Bildern, die Pornoindustrie und so weiter, das überfordert uns alle.

Einige Abschnitte lang versucht sie den Leser über die sexuelle Andersartigkeit des Mannes aufzuklären und wie wir uns alle neu und tiefer kennenlernen sollten, damit sich etwas ändert. Das ist zum Teil verworren und nicht immer einfach nachzuvollziehen. Aber sie fordert auch die Frauen auf mutig zu sein und ihrer Sexualität eine Sprache zu geben. Dabei legt sie sich auch mit Feministinnen an, unter anderem mit Alice Schwarzer, der sie es übel nimmt, die Vagina als empfindungslosen Schlauch bezeichnet zu haben.

An einem Punkt schreibt sie, dass keiner der Männer, die sie im Puff erlebt hat, sie ausbeuten wollte. Doch in ihrem Kapitel über Übergriffe kommt das genau so vor, oder ist eine Vergewaltigung keine Ausbeutung? Dass sie doch nicht in einem hundertprozentig geschützten Raum arbeitet, musste sie bitter erfahren. Und es kostete sie einige Zeit, um damit fertig zu werden. Im Übrigen beschreibt sie weitere „Übergriffe“, zum Beispiel die des Staates im Zusammenhang mit dem Prostituiertenschutzgesetzes, das bereits überarbeitet werden muss. Diskussionswürdig ist das allemal. Ebenso die Übergriffe, die sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs ableiten lassen. Wir scheren wie üblich alle über einen Kamm und wissen genau, wie es um die Damen und Herrn steht, die im Milieu arbeiten. Tatsächlich? Wer macht sich wirklich die Mühe, wenigstens einer dieser Personen zu befragen und wirklich zuzuhören. Nicht nur denen, die in der Illegalität stecken, die missbraucht wurden, sondern auch denjenigen, die, wie die Autorin, es als ihren Job ansehen, eine gewisse Dienstleistung gegen Geld anzubieten. Auch das bietet reichlich Stoff zu Diskussionen. Wir sollten den moralischen Zeigefinger herunternehmen und darauf eingehen, findet sie.

Sex in kürzester Zeit ist kein guter Sex. Doch wer nimmt sich schon Zeit dafür? Die Autorin gibt am Ende ihres Erfahrungsberichtes Ratschläge, wie es besser gehen kann, selbst getestet mit ihrem Partner. Ob das aber wirklich ein Ende der Prostitution einläuten lässt, werden wir wohl nicht mehr erfahren. Dafür bedarf es einen grundlegenden Wandel in der Gesellschaft und den Mut aller beteiligten, dies zu wollen. Bis dahin gibt Stephani Seminare für Frauen, ist Körpertherapeutin und Bloggt über Sexualität und Freiheit.

Das Buch wurde in Zusammenarbeit mit Theresa Bäuerlein geschrieben. Sie beschäftigt sich als Autorin und Journalistin zum Beispiel mit Konsum und Beziehungen. Unter anderem ist ein Buch von ihr und Tom Eckert „Besser als Sex ist besserer Sex: Ein Paar. Ein Jahr. Ein Experiment“ erschienen.

http://ecowin.at/buch/lieb-und-teuer/

Die Bestimmung des Bösen

Die Bestimmung des Boesen von Julia Corbin

 

Für „Die Bestimmung des Bösen“, einem Thriller von Julia Corbin, ist ein Interesse für Kriminalbiologie und Genetik von Vorteil. Die Autorin, studierte Biologin, beschreibt die Menschen an den Labortischen als die Helden hinter den Kulissen bei der Fallanalyse. Dabei sind diese Helden in Krimiserien schon längst hinter den Kulissen hervorgekrochen und spielen oftmals die Hauptrollen. Auch in dem vorgestellten Thriller ist es die Figur der Biologin Karen Hellstern, die eine wesentliche Rolle spielt. Sie wird zu allen Tatorten hinzugerufen, um Fliegen, Larven, Käfer und Spinnen in allen erdenklichen Entwicklungsstadien einzufangen, Schweinekadaver für Vergleichsstudien auszulegen und um in der Pathologie als erstes Mordopfer nach davor genannten Tierchen abzugrasen. Das alles wird sehr akribisch dargelegt, was für den einen Leser sehr langweilig sein kann, für den anderen endlich eine Wissenslücke geschlossen und hochinteressant. Denn es werden auch anschließend die Schritte erläutert, die zu den Ergebnissen führen, wie zum Beispiel die DNA im Magen einer hungrigen Stechmücke eines der zur Tat gehörenden Person führt.
Das Thema der Genetik kommt nun bei unserer Ermittlerin Alexis Hall zum Tragen. Sie ist die Tochter von Verbrechern, die bei ihrer versuchten Verhaftung ums Leben gekommen sind. Ausgerechnet von einem Wissenschaftler und seiner Frau adoptiert, der das Verbrechensgen gefunden haben will. Das Wissen darum verunsichert Alexis immer wieder. Was ihre Eltern nun genau verbrochen haben, wird hier natürlich nicht erwähnt, aber dass auch Alexis selbst Träger dieses Gens sein kann, dieses Bewusstsein lässt sie ihre Dienstwaffe immer im Büro wegschließen. Alleine dieses Thema kann ein Roman für sich selbst sein, Wissenschaftler adoptiert Kind von Verbrechern, um zu sehen, ob sich das kill:gen weitervererbt und wenn ja, ob eine andere Erziehungsumgebung nicht doch positiv auf die Entwicklung des Kindes wirkt.

Der Inhalt des Thrillers erinnert an viele andere dieser Art. Die Mordopfer werden in perfiden Stellungen vorgefunden, aufs grausamste gefoltert und getötet. Wie und warum will ich hier natürlich nicht verraten. Der übliche Zeitdruck, der bei Ermittlungen dieser Art entstehen, wirken sich auf Alexis und ihren Partner Oliver aus, es kommt zu Reibereien. Alexis Freund, ein Journalist, bereitet ihr auch nicht nur Freude und dass ein Teil ihrer Adoptivfamilie in die Ermittlungen involviert wird, ist für sie auch nicht hilfreich. Ihr Onkel, bei dem eines der Mordopfer angestellt war, ist mehr als sauer auf sie und will die Ermittlungsarbeit seiner Nichte mit aller Macht torpedieren. Und es bleibt nicht bei den ersten Mordopfern …

Es gibt die üblichen Stänkerer, die einer Frau unterstellen, dass sie mitnichten eine Ermittlung leiten können, alte Strukturen werden nicht aufgegeben, dem Zeitgeist zum Trotz. Die Figuren sind gut ausgearbeitet, jede bekommt ihre Chance bis zum Ende dabei zu sein, in welcher Form auch immer. Das ist gut. Weniger haben mir die vermeidbaren Fehler gefallen. Da tauchen plötzlich Personen auf, die vorher nicht erwähnt sind, es ist zu hell am Horizont zu einer Uhrzeit, die nicht mehr zu dieser Jahreszeit passt, Annahmen werden zu Fakten, obwohl ich als Leser klar sehe, dass dem nicht so ist. Das alles schadet dem Spannungsbogen aber nicht, es ergeben sich Drehungen und Wendungen, mit denen man nicht gerechnet hat oder so nicht ahnt. Sind wir mal gespannt, ob sich aus den Protagonisten der Autorin eine Serie ergibt.

Da die Handlungen hauptsächlich rund um Heidelberg und Mannheim spielen, kann man den Thriller als gut verortet betrachten.

Informationen über die Autorin kann man im Netz googeln und auch auf Facebook ist sie unter https://www.facebook.com/AutorinJuliaCorbin/ oder unter http://www.kerstin-pflieger.net/website/ zu finden.

Töchter einer neuen Zeit

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Vieles von dem Wissen unserer Großmütter würde verloren gehen, wenn wir, ihre Nachkommen, nicht genau zuhören würden und es aufschreiben. So wie Carmen Korn in „Töchter einer neuen Zeit“. Die neue Zeit, damit ist hier die Zeitspanne nach dem Ersten Weltkrieg bis zur Währungsunion Ende der 1940er-Jahre gemeint. Hauptprotagonisten sind vier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können, sich zum Teil seit der Kindheit kennen, manche aber erst durch Zufallsbegegnungen. Aber es sind nicht nur diese vier: Henny, Tochter einer alleinerziehenden Kriegswitwe, ihre Freundin Käthe, die rebellisch ihren eigenen Weg gehen möchte, Ida, verwöhnte Tochter aus wohlhabenden Kreisen und Lina, die Schwägerin von Henny. Daneben sind es ihre Eltern, Nachbarn und Kollegen, die Familie des Wäschefachgeschäftes, der Pfandleiher, die Pensionswirtin und gute Seele, aber auch, in späteren Jahren die üblichen Mitläufer der Nazizeit.

Korn beschreibt die Lebenswege dieser Frauen und ihrer Familien in Hamburg, die nach dem Ersten Weltkrieg endlich wieder zur Ruhe kommen wollen. Ein gutes Leben führen, satt und zufrieden sich etwas aufbauen. Erschütternd beschreibt sie, wie das schleichende Ungeheuer der Nazizeit um sich greift und die Frauen und auch die Männer doch immer noch voller Hoffnung sind, dass das alles nur von kurzer Dauer ist und der Spuk bald ein Ende hat. Henny und Käthe arbeiten als Hebammen in der Klinik Finkenau unter charakterlich sehr sympathischen Ärzten, die im weiteren Verlauf noch große Rollen im Leben der Hebammen spielen werden. Lina, unverheiratete Schwägerin von Henny, entdeckt ihre Liebe zu ihrer Freundin Louise erst spät und muss dies genauso in der Öffentlichkeit verheimlichen wie auch Ida ihre Liebe zu einem Chinesen. Die verworrenen Wege der Frauen, wie sich ihre Lebenswege kreuzen, um anschließend mit ihren Familien die drohenden Auswirkungen der Nazizeit und der Kriegswirren zu überstehen, das bedeutet ein Eintauchen in einen großen Roman.

Die Autorin lässt ab und an nur Tage oder wenige Wochen vergehen, bevor es mit dem nächsten Abschnitt weitergeht, manchmal aber auch mehrere Jahre. Wie große Sprünge in der Zeit fühlt es sich an, als wenn ein Fernglas nach oben gerichtet, die Frauen fokussiert und ihnen eine Weile zugeschaut wird. Als Leser fragt man sich, na? Hat Ida es geschafft ihren Mann zu verlassen, um mit ihrem Chinesen zusammen zu sein? Hat einer der Ärzte der Frauenklinik nun endlich seine große Liebe gefunden? Ist der Papa von Ida wieder zu Geld gekommen? Die Schicksalsschläge, die die Protagonistinnen überstehen müssen, lassen einen bei sich selbst nachschauen, ob man nun den richtigen Weg eingeschlagen hat oder doch den Mut aufbringen sollte, das eine oder andere zu verändern. Das Grauen, das den Frauen und Männern entgegenschlägt, als sie merken, wie extrem sich ihre Lebenswirklichkeit verändert, es wieder zu einem Krieg kommt, das lässt uns erspüren, wie es unseren Eltern und Großeltern ergangen ist. Mit jedem Buch zu diesem Thema bekommt das große Schweigen, das diese Generation geprägt hat, doch immer mehr Stimmen für uns, die Kinder- und Enkelgeneration.

Informationen zur Autorin findet sich zum Beispiel unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Carmen_Korn und natürlich beim Rowohlt-Verlag.

Mit dem Schreiben anfangen

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Wie viele der Leserinnen und Leser, die Geschichten, Kriminalromane, Gedichte und vieles mehr lesen, wollen selbst einmal zum Stift greifen, oder aber in die Tasten hauen, wie es nun oftmals geschieht. Aber wo fängt man an? Und wie? Hanns-Josef Ortheil hat in einem wunderbaren kleinen Buch, das in jeder Tasche seinen Platz finden kann, Angebote und Hilfestellungen zusammengefasst. „Mit dem Schreiben anfangen. – Fingerübungen des kreativen Schreibens“ zeigt in fünf Kapiteln mit je fünf Abschnitten anhand von Beispielen, wie andere Schriftsteller zu ihren Ideen, Materialien und zum Ort des Schreibens kommen und kamen. Jeder Abschnitt endet mit Übungsaufgaben, die als Angebot zu verstehen sind, nicht als absolutes muss oder Regelwerk, ohne dem man kein eigenes Werk zustande bringen könnte.

Verblüfft hat mich an dem knapp 160 Seiten umfassenden Band die Wortfülle. Worte, die ich recht selten oder nie in den letzten Jahren aus Zeitungen, Zeitschriften, Romanen oder gar Internetartikeln lesen konnte, die ich bereits für verloren geglaubt hatte wie zum Beispiel: Libidinös, Studierzimmer, Stimulanzien, Papeterie, Holzkörper, Tintenroller, Notate. Es ist wie ein Eintauchen in eine Geschichte, was es Absatzweise oder ein paar Zeilen nur, ja auch ist. Denn immer wieder bekommen wir Auszüge aus den Werken Anderer als Geschmacksproben zu den entsprechenden Abschnitten serviert.

Ortheil will, dass wir uns Gedanken machen über unseren „Schreib“Tisch, den „Schreib“Raum, dem „Schreib“Werkzeug, dem Papier. Unser Blick nach draußen, ablenkend oder inspirierend, zurückgezogen oder Lärm erprobt. Zu welcher Uhrzeit können wir uns niederlassen, sind wir eher Tag- oder Nachtmenschen? Wie steht es mit Essen, Trinken, sonstigen Gewohnheiten? All das beeinflusst unseren Schreibstil. Ein wichtiger Hinweis ist nun, mit einem Stift zu schreiben. Denn es gelingen uns ganz andere Texte, wenn wir mit der Hand schreiben, anders als mit der Schreibmaschine oder in unserer heutigen Zeit mit einem Computer. Als haptischer Mensch bekommen wir ein ganz anderes Gefühl zum Text, wenn wir uns mit unserem ausgesuchten Schreibwerkzeug auf entsprechendem Papier austoben als ständig mit der Rücktaste bereits erfasstes löschen.

Ist das nun geklärt, kommt der Autor nun zu den ersten Fingerübungen. Ortheil rät zum Abschreiben, Transkribieren, Kritzeln. Ganz langsam und Schritt für Schritt kommen wir zu ersten Fragmenten, schreiben Listen, sammeln Zettel, Zeitungsausschnitte und vieles mehr. Schreibe ich erst statisch, beschreibend, dann im Zeitverlauf, Chroniken oder Tagebuch. Das Sammeln von Themen in Karteikarten kann ausufernd werden. Er lässt uns üben, Räumlichkeiten zu beschreiben, Dialoge, Monologe. Nie sind die Abschnitte zu lang, die Übungen können allerdings Wochen und Monate andauern, immer mal wieder zwischendurch geprobt werden. Und all die Kleinigkeiten können zu einem großen Roman werden. Dabei werden auch die Heute genutzten medialen Techniken erwähnt, wie die Sozialen Netzwerke, bei denen die Autoren nur kurze Sätze oder ein Statement veröffentlichen.

Selbst diejenigen, die dieses Übungsbuch in die Hand nehmen, ohne je den Gedanken verfolgt zu haben, etwas selbst zu verfassen, könnten sich nun aufgefordert fühlen, mal wieder Tagebuch zu führen oder ihre Einkaufslisten mit ganz anderen Augen zu betrachten. Und auch die Kritzelei während eines Telefonates oder einer Besprechung bekommen nun eine neue Bedeutung. Manchmal mutet die genutzte Sprache alt an, doch die Inhalte werden wohl nie an Bedeutung verlieren. Für mich ist es wie ein kleiner Schatz, ein Werkzeugkasten, den ich gerne immer mal wieder öffne und erstaunt mir doch Wohlbekanntes vorfinde.

Ausführliche Informationen zu Hanns-Josef Ortheil findet sich zum Beispiel unter https://de.wikipedia.org/wiki/Hanns-Josef_Ortheil

Der Tiger in der Guten Stube

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