Adele Spitzeder der größte banbkbetrug aller zeiten

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Ein Schneeballsystem im 19. Jahrhundert hat es dem Autor Julian Nebel angetan, das er hier mit allem ihm zur Verfügung stehenden Materialien nachzeichnet. Die Rede ist von Adele Spitzeder, die mit ihrem Treiben über 30.000 Menschen aus München und Umgebung in den Ruin und sogar in den Selbstmord trieb. Nebel geht dabei sehr akribisch vor und scheut sich nicht, so manchen Sachverhalt von verschiedenen Seiten aufzurollen und dadurch mehrfach zu erwähnen. Ob es nun die familiären Umstände, Freundeskreise, Liebschaften, Berufskolleginnen und Kollegen sind, nichts bleibt unerwähnt. Bestückt sind die Kapitel auch mit Fotos, Zeitungsausschnitten, Aushängen und vielem mehr. Die geschichtlichen Zusammenhänge seit der Geburt der kleinen Adele, ihrer Eltern und Geschwister, alles findet seinen Platz, selbst die Haustiere finden ihre Erwähnung.
Das System der Adele Spitzeder war auch 1869, als sie ihre Privatbank eröffnete, sicher nicht neu; seit es den Zins gibt und die Gier der Menschen, wird dieses ausgenutzt. Ihre Karriere als Bühnendarstellerin ging dem Ende zu, als sie eher durch Zufall, wie es klingt, herausfand, dass sie bei den wenig begüterten Menschen durch ihr Auftreten sehr viel Vertrauen erweckte. Ob es nun Zimmermädchen, Gesellen, die Bauersfrau oder die Magd war, sie alle wollten ihre Notgroschen, wie die „Reichen“, ein wenig mehren. Unbedarft gaben sie es her, auch wenn es keine Begründungen dafür gab, wie sich denn ihr Geld vermehrte, woher denn die erwirtschafteten Zinsen stammen würden. Und da Adele Spitzeder am Anfang gewissenhaft die hohen Zinsen zahlen konnte, sprach es sich herum und die Menschen kamen in Strömen.
Was war der Grund, dass viele den Banken nicht trauten? Sparkassen und andere Bankhäuser verloren ihre Kunden und deren Gelder, aber ob und wie sie vielleicht gegensteuerten, um diese wiederzugewinnen, wird nicht erläutert. Dass sie gegen Spitzeder mit aller Macht ankämpften sehr wohl. Sie und vor allem die „Münchner Neuesten Nachrichten“, eine wichtige Zeitung dieser Zeit, führten in ihren Artikeln und Reden unerbittlich auf, dass die Leute ihr Geld verlieren würden, wenn sie es bei dieser „Bank“ anlegen würden. Auch Gerichte wurden eingeschaltet, die Buchführung nach kaufmännischem Recht eingefordert und einiges mehr. Nichts half. Die „Kunden“ von Spitzeder vermehrten sich wie von selbst, vor allem, nachdem sie Anfing, auch Kredite zu verteilen, mit einem geringeren Zinssatz, wie es die damaligen Wucherer verlangten. Und hier schaute sie genau nach Name, Rang und Kreditwürdigkeit, bevor sie das Geld anderer Leute hergab. Sie hatte keine wirkliche Bank, erst ein paar Zimmer, eine Wohnung, später ein Haus. Auch legte sie das Geld gut an: Zeitungen, Häuser, Schmuck und mehr konnte sie aufzählen. Doch verlor all das auch an Wert, als es plötzlich von einer insolventen Person stammte. Dabei tat es das nicht; es wurde im Grunde von den, wir würden heute sagen Geringverdienern, bezahlt.
Zum Schluss, als sie ahnte, dass der Zusammenbruch doch irgendwann kommen muss, wollte schließlich auch sie mit den Zinsen runtergehen, doch dazu kam es nicht mehr. Ihre Widersacher ließen sie festnehmen, sie wurde abgeurteilt, saß ihre Strafe ab.
Dass sie als Schauspielerin und Sängerin anfing, ist wichtig zu wissen, denn durch ihre vielen Maskeraden hat sie gelernt, wie man Menschen täuschen kann. Die vielen Umzüge von Berlin, München und ins nahe Ausland, wohin sie ihre Engagements führten, ihr teilweise jämmerliches Unterkommen und Auskommen waren sicherlich eine gute Vorbereitung für ihr Wirken als Bankfrau. Ob ich aber das bis ins kleinste Detail wissen muss, ist eine andere Frage. Für Interessierte an Biografien oder auch die Leserschaft, die sich fragt, wie so etwas passieren kann, ist das eine gute Studie. Noch dazu, weil es ja nach Bekanntwerden dieses großangelegten Betruges selbst heute noch passiert, dass Anleger auf dieses System hereinfallen. Die Gier hat noch lange kein Ende gefunden.
Auch Spitzeder fand noch nach ihrem Gefängnisaufenthalt Menschen, die ihr wieder und wieder ihr Geld anvertrauten, trotz den deutlichen Warnungen, dass es keine Rückgabegarantie geben wird.
Nebel erklärt am Ende auch die Unterschiede zwischen verschiedenen Betrugsarten, wie sie Spitzeder begangen hat, führt Namen und deren Wirken auf.
Was mir hier fehlt, ist eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema Frau und Betrug versus Mann der damaligen Zeit. Außerdem ist es anhand der Ausführungen offensichtlich, dass Spitzeder homosexuell war. Da gab es doch sicher noch mehr außer den Andeutungen in den Zeitungen und beim Prozess.

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Englischer Harem

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KUKOLKA

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Millionen von Babys, Kindern, Jugendliche und junge Erwachsene werden jeden Tag durch ihre Erziehungsberechtigte misshandelt. Weitere Millionen erleben Tag für Tag durch Krieg, Hunger, Missbrauch und vieles mehr unvorstellbare Gräueltaten. Dadurch wachsen permanent Generationen auf, für die Empathie ein Fremdwort ist. Die nichts anderes kennen als Flucht vor den Qualen, Totstellreflex, um sich zu schützen, oder sich eines Tages wehren. Statistiken hierzu gibt es unter anderem von unicef unter https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/2017/gewalt-gegen-kinder/152258

Ein Roman über Kinder, die solches erleben, hat Lana Lux geschrieben. „Kukolka“ ist ein Mädchen in der Ukraine, das im Waisenhaus aufwächst. Wir erfahren nicht, wann das passierte, von wem sie dort hingebracht wurde oder warum beziehungsweise in welchem Alter sie dort gelandet ist. Durch ihre dunklen Locken und ihrem ebenfalls dunklen Hautton wird sie als Zigeunerin abgestempelt, ohne dass es irgendwann Erkenntnisse gibt, dass diese Behauptung stimmt. Aber so wird sie, Samira, nun behandelt, in diesem Kinderheim. Schon hier erfahren alle Kinder Misshandlungen durch die Erzieherinnen, die wohl von vielen so bestätigt werden können. Ab und an werden alle nett angezogen, denn es kommen adoptionswillige zukünftige Eltern, vor denen sie nun bestehen müssen, um vielleicht genommen zu werden. Samira verliert so ihre einzige Freundin und Fürsprecherin, Marina, die nun nach Deutschland geht.

Nach einer weiteren schweren Misshandlung packt dieses kleine Kind, kurz vor seiner Einschulung, ihre Sachen und verschwindet. Sie will nach Deutschland zu ihrer Freundin, die ihr einen Brief und mehrere Geschenke geschickt hat. Auf sie wartet ein Bett im Zimmer von Marina. Dies und ihr Name, Samira, sind die Einzigen Dinge, die diesem Kind in all den Jahren bleiben. Die Autorin schickt nun das Kind zu einem Hauptbahnhof, in dessen Umfeld sie von Rocky aufgegriffen wird. Der führt mit mehr oder weniger strenger Hand ein besetztes Haus, in dem sich Straßenkinder mit betteln über Wasser halten. Natürlich ist das nicht das einzige Haus in dieser Stadt, sie ist aufgeteilt zwischen mehreren rivalisierenden Banden. Aber das alles weiß dieses Kind nicht, das keinerlei Bildung und Wissen aufweist, dass sich alles erfragen muss. Das ist eines der starken Seiten von Lux, sich in Kukolka einzufühlen. Die Leserschaft kann erkennen, wie es ist, nichts, was für uns selbstverständlich ist, sich schwer erarbeiten zu müssen. Das kleine Püppchen „Kukolka“, wie sie von Rocky genannt wird, erlebt in diesem Haus viele Brutalitäten und muss erkennen, dass es von hier aus keinen Weg nach Deutschland geben wird.

Und dabei ist Samira immer noch ein Kind, dass auf ihren Wegen zum Betteln Familien sieht, die ihre Kinder lieben und beschützen, die die Schule besuchen dürfen. Ihr Wunsch, lesen und schreiben zu lernen ist so stark, dass ihr andere Kinder im Haus von Rocky dabei helfen. Die Schicksale dieser Seelen ergreifen einen, man weiß oftmals nicht wohin mit seinen Gefühlen. Beim Betteln lernt Samira einen jungen Mann kennen, Dima, der sich ihr vorsichtig nähert. Über Wochen hinweg, sie ist inzwischen zwölf Jahre alt und schwer in ihn verliebt, erlangt er schließlich ihr vertrauen. Man möchte so gerne zurufen: „Halt! Geh nicht mit ihm“. Denn als sie ihm folgt, an Alkohol, Zigaretten und Drogen langsam herangeführt, landet sie zwar in ihr heiß ersehntes Deutschland, aber leider an einen weiteren Abgrund, der nicht ihr letzter sein soll. Kinderprostitution der schlimmsten Art folgen nun.

Eindrucksvoll beschreibt Lux durch die Worte, die sie ihrer Protagonisten in den Mund legt, wie es fühlt, wie es ist, von zig Männern benutzt worden zu sein. Dass sich in ihrem übervollen Bauch Dinge befinden, die da nicht hineingehören. Ein Buch, dessen Geschichte so fern einer schönen Kindheit steht, bei der man nachvollziehen kann, warum Kinder aus diesen Verhältnissen nur schwer begreifen können, dass das Leben auch Gutes und Schönes, bieten kann. Ob die zurzeit grassierende Diskussion über sexuellen Missbrauch ihnen ebenfalls helfen kann, das wird sich zeigen.

http://www.aufbau-verlag.de/kukolka.html

Tränenbringer

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„Tränenbringer“ von Veit Etzold ist bereits der fünfte Band der Reihe rund um Clara Vidalis und ihrer Kollegen. In der Hauptstadt Berlin sind die Serienmörder bei Etzold inflationär zu finden, Gott sei Dank in der Realität nicht. Wer bei diesem Spiegel Bestseller-Autor reinliest, muss sich darauf gefasst machen, sich mit äußerst brutalen Beschreibungen von Gewalt zumindest lesetechnisch auseinanderzusetzen. Wer damit rechnet, dass die Missbrauchsorgien teilweise fein umschrieben, angedeutet, der eigenen Phantasie überlassen wird, der wird enttäuscht. Nackt, roh, ekelerregend, widerwärtig, abscheulich, so schreibt Etzold. Nichts ist ihm heilig, alles wird gnadenlos aufgezeigt und dargelegt. Dabei bleiben die Hinterbliebenen bei diesem Werk seltsam außen vor, sie kommen nur bedingt, an den Rand gestellt, zu Wort.

Aber worum geht es eigentlich? Ein Serienkiller macht einen bestimmten Bezirk in Berlin unsicher. Er lässt Junkies die Drecksarbeit machen, in dem er sie losschickt, ein Päckchen mit Leichenteilen bei Verwandten abzugeben. Nur einer schafft es nicht ganz, löst einen spektakulären Unfall aus und fällt ins Koma. Die Kriminale Clara Vidalis ist nicht weit vom Tatort entfernt und kann so schnell die ersten Hinweise bekommen, denn der Junkie hat das Päckchen unbeschadet bei sich. Eine wichtige Beigabe ist auch bei einem weiteren überbrachten Paket von Bedeutung, dass ein Vater der Polizei überlässt. Nun wird gerade diese Beigabe des Öfteren bei den weiteren Besprechungen im Team erläutert, doch weder beim Täter jemals genannt noch bei seinen Taten erwähnt. Eine der Schwachstellen des Buches, denn eine andere Beigabe wird sehr wohl von den Kriminalen als auch beim Täter beschrieben.

Eine weitere ist es, dass an verschiedenen Stellen bestimmte Sachverhalte auf der gleichen Seite oder auch später immer wieder wiederholt werden, ohne dass sie zur Erhellung beitragen. Es erscheint fast, als wären sie Füllmaterial, weder erhöht es die Spannung, noch muss die Leserschaft erinnert werden. Hinweise auf vorherige Bände der Reihe sind gut eingebaut oder es wird als Fußnote darauf verwiesen. Die Charaktere der Kollegen sind weder besonders auffallend noch von anderen Kriminalromanen unterscheidbar. Es ist wie beim Tatort; jede Stadt hat ihr Team.

Der Täter, ein selbst durch Missbrauch in der Kindheit vom Opfer zum Täter gewandelt, wird als typischer Serienkiller analysiert. MacDeath, dem Lebenspartner von Clara Vidalis, obliegt es, sich in die Serienkiller hineinzuversetzen, ihre Gedankengänge und -welten zu erforschen. Er hat das alles in Amerika gelernt, dem Land, in dem es viele dieser Täter gibt. Rituale sind MacDeath genauso wichtig wie seinen Tätern, und auch die geschichtlichen, religiösen und sprachlichen Zusammenhänge bei den Verbrechen sind ihm geläufig. Darüber wird ausführlich von den Protagonisten des Autors geredet. Ebenso wie über die rechtsmedizinischen Besonderheiten bei den Opfer. Wird Etzold doch perfekt mit Hinweisen und Tipps von seiner Ehefrau, einer Rechtsmedizinerin, versorgt.

Als es auch noch neben den sehr jungen Opfern eine Reihe von Morden unter Prostituierten gibt, wächst der Verdacht, es könnte sich nur um einen Täter handeln. MacDeath und Clara suchen verzweifelt nach einer Möglichkeit ihn herauszulocken und werden unvorsichtig. Ob sie dafür büßen müssen?

Weitere Informationen über den Autor, Unternehmensberater und Redner finden sich zum Beispiel unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Veit_Etzold

 

Feenella ein Wintermärchen

 

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Wundersames kann in einer Winternacht geschehen, wenn Schneemänner auf Reisen gehen.

Die besondere Schneeflocke Sommerschnee erweckt die Schneemänner Cas und Nic zum Leben, aber die Freude währt nur kurz, denn Cas bemerkt, dass Nic erkrankt ist.
Auf der Suche nach Doktor Eisenbeiß durchwandern sie den Kaspaladawald und geraten in eine andere Welt voller merkwürdiger Wesen.

Die Wölfe der Nordflotte, die von der Schneefee Feenella ausgesandt wurden, um das magische Licht Nabor zu finden, brauchen ihre Hilfe. Nur eine gute Stunde bleibt ihnen für diese Mission, bevor der letzte Eisfederbaum sterben wird …

Diese fantasievolle und zauberhafte Geschichte ist für Jung und Alt geeignet.

 

Psychodynamische Traumatherapie mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

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Traumatisierte Kinder brauchen eine starke Unterstützung von vielen Seiten. Gerichte, Jugendämter, Pflegestellen, Flüchtlingshelfer, Mitarbeiter im Jugendvollzug, Gutachter und Therapeuten. Aber auch alle anderen Menschen, die mit Kindern arbeiten, sind hier immens gefragt und gefordert: Menschen, die in Kindergärten, Horten, Vorschulen, Schulen tätig sind, genauso wie diejenigen die Ferien- und Freizeitkurse geben. Für diesen Personenkreis sollte das Buch von Elke Fietzek „Psychodynamische Traumatherapie mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen“ eine Lektüre sein, die immer in greifbarer Nähe liegt.
Es ist kein reines theoretisch abgehandeltes Fachbuch, sondern lässt anhand mehrerer Fallbeispiele Therapeuten zu Wort kommen, die die Kinder und Jugendlichen sowie sich selbst vorstellen. Dabei ist es der Autorin wichtig, ihre und die Arbeit der Anderen von anderen therapeutischen Ansätzen abzugrenzen. Sie vertritt ihre Meinung grundsätzlich und erläutert auch warum. Ebenfalls stellt sie klar, wie oft in vielen Artikeln vermisst, wenn es um Kindesmissbrauch geht, dass sehr wohl auch Jungen betroffen sind, nicht nur Männer die Täter, sondern auch Frauen und Mütter. Auf gerade dieses Thema machte zum Beispiel der Bericht vom 20. Oktober im Wiesbadener Kurier „Jungs sind nicht weniger betroffen“ (http://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/nachrichten-wiesbaden/sexueller-missbrauch-das-wiesbadener-zentrum-fuer-therapie-und-beratung-ist-auch-eine-anlaufstelle-fuer-betroffene-jungen-und-maenner_18262121.htm) ebenfalls aufmerksam.
Die Bedeutung, den einen guten Therapeuten für ein Kind (ich meine hier immer auch Ältere) zu finden, auch das ist ein wichtiges Thema für Fietzek. Auch mal nein zu sagen, wenn man als Therapeut erkennt, dass es für beide Seiten nicht zielführend sein wird, zusammenzuarbeiten. Gegenübertragung, das ist ein Bereich, der immer wieder im Zusammenhang mit einer Therapie diskutiert wird. Auch Therapeuten können mehr oder weniger auf das, was auf sie während der Stunden einwirkt reagieren. Das immer wieder auch bei sich festzustellen, zu hinterfragen, am besten während einer Supervision, das ist Selbstfürsorge oder Psychohygiene.

Neben den wichtigsten Grundlagen der Psychotraumatologie und weiteren theoretischen Einleitungen werden mehrere Fallbeispiele vorgestellt, teils in längeren Kapiteln, teils kurz umrissen. Manchmal wünsche ich mir ein Fachglossar, um nicht immer wieder googeln zu müssen. Das letzte Kapitel hätte ich mir am Anfang gewünscht, es beschreibt in einfühlsamen Worten die Chancen und Grenzen analytischer Psychotherapie. Behandelt werden Fälle von psychischem und physischem Kindesmissbrauch, Zeugen von unglaublicher Gewalt, aber auch transgenerationaler Traumatisierungen, ein Thema, das vor allem die sogenannten Kinder- und Enkelgenerationen interessieren mögen. Auch Resilienz wird angesprochen, aber nicht vergessen, dass trotzdem jede Taumatisierung Schäden in unseren Gehirnen verursachen kann, vor allem, wenn sie in sehr jungen Jahren erfolgen.

Ein Buch nicht nur für Fachleute.

 

Weitere Informationen rund um das Thema und die Herausgeberin unter: https://www.psychodynamisches-institut.de/index.php?option=com_sobipro&pid=2&sid=287:Fietzek-Elke&Itemid=0

http://www.brandes-apsel-verlag.de

Redemption Road

Redemption Road - Strasse der Vergeltung von John Hart

Wenn nicht die Waffengewalt in Amerika so allgegenwärtig wäre, der Zugang zu Pistolen selbst für Kinder sehr leicht, dann könnten Autoren wie John Hart weniger realitätsnah schreiben wie er in seinem neuen Buch „Redemption Road – Straße der Vergeltung“.

Der bereits vielfach ausgezeichnete Hart schreibt temporeich, spannend und in einer starken Bildersprache in diesem Buch über die Versuchung der Vergeltung. Dabei hat auch die sehr an einer Sekte erinnernde Kirche einer der Protagonisten eine große Rolle. Die Polizistin Elizabeth ist Tochter eines Predigers, der Strenge und Abhängigkeit an das gesprochene Wort, nämlich seines, als unabänderlich ansieht. Dabei übersieht er, dass er Liebe, Güte und Vergebung mit Unbarmherzigkeit, Härte und falschen Ritualen verwechselt. Dieser Vater-/Tochter-Konflikt ist eines der Erzählstränge im Buch.

Eine weitere Geschichte darin ist die des wegen Mordes verurteilten Polizisten Adrian, der nun nach dreizehn Jahren Haft endlich aus der Hölle entlassen werden soll. Empfangen wird er vom Sohn des Opfers, einem Kind noch, Gideon, der seine Waffe gegen Adrian erhebt. Adrian ist der Grund, warum Elizabeth überhaupt zur Polizei ging, sie hat nie geglaubt, dass er die Mutter von Gideon ermordet hat und das ausgerechnet in der Kirche von ihrem Vater. Vor dreizehn Jahren war Gideon noch ein Baby, sie hat sich als Frau und Polizistin für ihn verantwortlich gefühlt, sich um ihn all die Jahre gekümmert, sein eigener Vater war in seiner Trauer nie dazu in der Lage. Adrian wiederum wurde im Gefängnis schrecklich gefoltert, soll er doch das Geheimnis eines alten Mitgefangenen vor dessen Tod erfahren haben. Nun ist also nicht nur Gideon hinter ihm her, auch der Gefängnisdirektor lässt ihn nicht aus den Augen. Das also eine weitere Geschichte in der Geschichte.

Aber das ist noch nicht alles. Hart hat noch eine weitere brisante Verstrickung für die Leserschaft parat: Elizabeth soll bei der Befreiung eines Entführungsopfers die beiden Täter mit unverhältnismäßig vielen Kugeln zur Strecke gebracht haben. Sie ist vom Dienst suspendiert und muss nun die Untersuchung abwarten. Wie bei Gideon handelt es sich auch hier um einen jungen Menschen, Channing. Sie wuchs in einem behüteten Elternhaus auf, an Geld mangelt es nicht. Der Autor legt noch eine Schippe drauf und behandelt das Thema der gut situierten Frau mit einem Suchtproblem gleich mit dazu. Dass sich die Erzählstränge nicht verheddern, es immer spannend bleibt und das Tempo immer höher wird, das ist Schreibkunst.

Jeder ist mit jedem irgendwie im Konflikt, Vertrauen ist selten da. Ob es nun Elizabeth mit ihren beiden Schützlingen ist, die Adrian helfen möchte ihn vom Verdacht ein Mörder zu sein zu befreien. Oder der Gefängnisdirektor mit seinen Wärtern, der gewisse Drähte zur Polizei hat und unbedingt alle Beteiligten mit Gewalt zum Sprechen oder zum Schweigen zu bringen. Der Prediger, der liebend gerne seine verloren geglaubte Tochter wieder in seiner Kirche empfangen würde, sie alle ringen miteinander um die Wahrheit. Mittendrin aber passieren weitere Morde an Frauen, die wie Gideons Mutter in der alten Kirche aufgebahrt werden. Und alle nach der Freilassung von Adrian. Ist er doch der Täter?

Hart verbindet Machtspiele, Korruption, falsch verstandenen Glauben, den Wunsch nach Rache und das ewig gleiche Bindemittel: Geld, gekonnt miteinander. Dass die Gewalt, ausgeübt mit einem Gegenstand, der in der westlichen Welt nirgends so leicht offiziell und legal zu bekommen ist wie in Amerika, am Ende für alle Beteiligten doch auch erschreckend ist, ist ein geringer Ausgleich für alle positiv besetzten Gefühlslagen der Protagonisten.

Weiter Informationen über den Autor zum Beispiel unter: https://de.wikipedia.org/wiki/John_Hart_(Schriftsteller)

https://www.randomhouse.de/Buch/Redemption-Road-Strasse-der-Vergeltung/John-Hart/C-Bertelsmann/e497093.rhd#writeComment