Frankfurter Buchmesse Trailer 2017

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Die Schanin hat nur schwere Knochen!

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„Wenn wir mehr solcher Mitarbeiter im Familienpsychologischen Dienst hätten, wären wir besser dran“, mit diesen Worten hat mir eine Freundin das Buch von Sophie Seeberg „Die Schanin hat nur schwere Knochen – Unerhörte Geschichten einer Familienpsychologin“ empfohlen. Wobei das Cover eher nicht danach aussieht, als ob das Thema schwieriger Familienstreitigkeiten vor Gericht ernst genug betrachtet wird. Das Gegenteil aber ist der Fall, das Titelbild wohl nur verkaufsfördernd witzig gestaltet. Die Autorin legt zwar Wert auf eine gute Prise Humor, aber eben nicht nur. Und die Familie, die auf dem Cover so präsent skizziert worden ist, ist ausnahmsweise auch noch der Fall, bei der die Liebe zu Kindern und auch untereinander, miteinander Spaß haben, spielen, und viel Zeit miteinander zu verbringen, sehr hoch gehalten wird. Hier sind es eher die alltäglichen Dinge, die komplett auf der Strecke bleiben. Essen zubereiten, waschen, Kindererziehung, Regeln einhalten und vieles mehr.
Gerade bei diesem Beispiel kann man nachvollziehen, wie wichtig es ist, eine gemeinsame Sprache zu finden, damit eine Familie überhaupt erreicht werden kann. Denn warum die Familienhelferin nicht den Haushalt macht, obwohl sie es so schön erklärt wie man es machen soll, ist für die Familie unbegreiflich. Vor allem, weil ihnen die Kinder weggenommen werden sollen, wenn nicht bald etwas passiert.
Was Seeberg im Zusammenspiel mit Mitarbeitern von Gericht, Jugend- und anderen Ämtern erlebt, um das Beste für Kinder bei Gericht zu erreichen, das ist schon zum Teil sehr traurig, manchmal komisch und immer aufreibend. Ihr Schreibstil ist flüssig und das Buch gut zu lesen. Man nimmt ihr die Sorge um Kinder gut ab, die sich zum Teil in Situationen befinden, die einem den Atem rauben.

 

Besondere Umstände

 

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Nachdem ich den dritten Band in der Reihe von Gabriela Kasperski „SICHT UNSICHTBAR“ zuerst gelesen habe und im Juni 2016 rezensiert hatte, habe ich nun den in einer neuen Ausgabe aufgelegten zweiten Band „BESONDERE UMSTÄNDE“ von ihr gelesen.

Besondere Umstände, darauf weist der Kinderwagen auf dem Cover schon hin, ist ein Kriminalroman, bei der Kinder, Kinderwunsch, Adptionen, Kinderhandel beziehungsweise Kinderraub die Hauptrolle spielen. Es ist vielleicht nicht gerade das beste Geschenk an eine werdende Mutter oder eine die es werden will. Denn emotional werden die Themen allesamt behandelt. Dabei werden auch die Befindlichkeiten der Männer nicht vergessen.

Zita Schnyder, die Lebensgefährten von Werner Meier, einem Commissario, bekommt in einer Gewitternacht ihr Baby. Dabei ist sie nicht alleine, ihre gesamte Baby-Yoga-Klasse kommt nieder. Das sind viele verschiedenster Frauen und deren Familien, die alle ihre Erwähnung finden. Und dann wird in dieser ereignisreichen Nacht, kaum, dass alle zur Ruhe kommen, eines der Babys entführt. Doch kein Erpresserschreiben geht ein, keine Spur findet sich.

Kurz vor der Niederkunft der Frauen wird eine Sozialarbeiterin ermordet, die sich in ihrer früheren Wirkungsstätte um Adoptionen gekümmert hat. Die Spur führt zu einem Jugendlichen, der von ihr betreut worden ist. Allerdings ist sie sehr offensichtlich, zu offensichtlich für Commissario Meier. Meier wiederum will auf keinen Fall im Entführungsfall des Babys ermitteln, fühlt er sich doch befangen. Bei Zita kommt das allerdings sehr schlecht an.

Die Autorin beschreibt anhand der verschiedenen Protagonisten, wie es ist, ein Kind zu wollen, zu bekommen, es unbedingt zu wollen, aber keines zu bekommen, eines zu bekommen, aber überhaupt keine Freude zu verspüren; und zwar bei Männern und Frauen. Hier kommen alle zur Sprache. Die Übermutter wie auch diejenige, die keinerlei Gefühle zu spüren scheint, die, die immer dann wieder schwanger wird, wenn es in der Ehe besonders kriselt. Aber es sind auch diejenigen dabei, bei denen es selbst mit einer normalen Adoption nicht klappen will, zu einem Kind zu kommen. Dann wird es kriminell. Kinder werden geraubt, nicht nur im Ausland, nein, auch in der Schweiz, und das nur, um es auf raffinierte Art und Weise als eigenes Kind ausgeben zu können.

Kasperski macht es uns nicht so leicht, sind es doch gleich mehrere Fälle von Schwangerschaftsvortäuschungen, die man sich bei den Baby-Yoga-Damen vorstellen kann. Dabei spielt auch der Mord an der Sozialarbeiterin eine große Rolle, ist der Tatverdächtige doch ein Cousin eines der werdenden Väter. Zita bringt mit ihrer Rechthaberei, ihrem Selbstbewusstsein und Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit so manche Spur durcheinander, mir geht ihr Getue ein wenig zu weit. Es nervt, auch die Schwangerschaftshormone einbezogen, doch etwas zu sehr, was sich ihr Freund Meier so alles anhört und nicht so recht handelt. Dafür raufen sie sich aber immer wieder zusammen, was ja auch wieder für den Fall gut ist. Leider ist Zita nicht die einzige Schwierige Persönlichkeit, die einem gehörig gegen den Strich geht, aber vielleicht ist das ja auch so beabsichtigt.

Die vielen Fäden, die die Autorin hier gesponnen hat und wie ein großes Netz um all die sehnsuchtsvollen Frauen nach einem eigenen Kind gelegt hat, das ist sehr spannend. Dass sie keinen der vielen Protagonisten vergessen hat, da kann ich nur sagen: Hut ab, das vermisse ich bei vielen Autoren. Die Themen rund ums Kinderbekommen, sind vielfältig besprochen, vom Geburtskanal bis zum künstlichen Schwangerschaftsbauch, Milcheinschuss und Babyblues. Selbstverständlich werden alle Taten aufgeklärt, wenn auch nicht für alle glücklich. Am Ende des über fünfhundert Seiten starken Buches werden die unterschiedlichen Gruppen und Schauplätze vorgestellt, schade, das hätte ich gerne am Anfang gewusst, um ab und an eine Auge darauf zu werfen.

Das Panama Erbe

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Der zweite Teil der Trilogie von Susanne Aernecke „Das Panama Erbe“ ist vom Schreibstil und Form wie der erste Teil „Tochter des Drachenbaums“ verfasst. Auch hier gibt es zwei Zeitebenen, nur jetzt jeweils um eine Generation verschoben und mit anderen Schauplätzen.
Um was geht es? Sina, Erbin eines Bankenimperiums aus Panama, und, wie sich später herausstellt, eines Pharmakonzerns bekommt aufgrund eines Geschenkes ihres Partners Felipe einen Flashback. Als Kind hat sie miterleben müssen, wie ihre Eltern auf La Palma bei einer Explosion ums Leben kamen. Ihr Gehirn stellt aufgrund dessen sein analytisch-faktisches Denken ein, dass es ihr bisher überhaupt ermöglichte, auf die Harvard Business School eine Eliteuniversität der USA, zu gehen. Daraufhin geht sie zu einer Therapeutin, die ihr rät, sich ganz auf sich zu konzentrieren, auf ihre Instinkte einzugehen. Während einer Vernissage trifft sie auf einen Kuna-Indio aus Panama, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. Auf ihre Instinkte hörend, reist sie zurück in ihre Heimat, um herauszufinden, was da mit ihr passiert ist. Die Großeltern sind aufgewühlt und Felipe reist ihr eilig hinterher. Dessen Bruder Julio, Adoptivsohn eines ehemaligen Drogenbarons, hat es gleich auf beide, Sina und Felipe, abgesehen. Julio will die Welt verbessern, am liebsten mit dem Erbe von Sina und Felipe. Sina will sich unbedingt mit dem Kuna-Indio treffen, wobei sie feststellen, sie gehören zusammen. Das passt weder Felipe noch dessen Bruder. Bei einer Rangelei auf dem Meer kommen scheinbar Sina und Felipe ums Leben. Und nun kommt Amakuna ins Spiel. Das aus einem Pilz gewonnene Lebenselixier holt Todgeweihte ins Leben zurück, heilt sie innerhalb weniger Stunden. In diesen Stunden träumen die mit dem Pilz behandelten Menschen von vergangenen Tagen, hier von der Zeit, als die Spanier sich Panama unter die Nägel gerissen haben. Und auch hier gibt es Menschen, die mit Amakuna in Berührung kamen. Diese träumen wiederum von der Zukunft. In der Vergangenheit ist da nun Tamanca, der mit seinem Vater in die neue Welt auswandert und Zwischenstation auf La Palma macht. Dort will er seiner Mutter nachzuspüren, die eine Heilerin war und Amakuna beschützt hat. Tamanca nimmt nun den Pilz mit in die neue Welt. Im Folgenden passieren viele Abenteuer, wobei es immer um ein Liebespaar in der Vergangenheit gibt und eines in der Zukunft, die auf den Pilz aufpassen müssen, damit er nicht in falsche Hände gerät.
Sicher, auch ohne den ersten Teil gelesen zu haben, kann der zweite Band der Trilogie genossen werden, weil alles erklärende sehr gut erläutert wird. Aber für den interessierenden Leserkreis macht es sicher Lust, sich auch diesen zu kaufen, falls noch nicht vorhanden. Solide, mit vorhandenem Spannungsbogen, vielen Wendungen und Hingabe zur Natur, Urvölkern und der spanischen Geschichte verfasster Roman. Ich habe nur wenige Fehler entdecken können, die Autorin weist im Anhang auf veränderte Geschichtsdaten hin, die für ihren Roman abgewandelt worden sind. Und Übrigens … das Ende macht auf jeden Fall Lust auf den dritten Teil …
Die einzelnen Protagonisten lassen sich nicht gleich für die eine oder andere Seite einspannen. Es sind und bleiben, bei all der Phantasie der Autorin, Menschen mit Ecken und Kanten, die Fehler machen, sich die Freiheit herausnehmen auch mal eine Entscheidung zu revidieren und sich Verführungskünsten hingeben. Macht, Habgier, Geld und Gold, die Uruntriebe der Menschen spielen im Buch die Hauptrolle, neben der, eine Sache wirklich geheim zu halten.
Wer sich gerne Abenteuerlust, Geheimnisse, Rätsel und Liebe verlieren will, in zwei verschiedenen, fast 500 Jahre überbrückenden Welten verweilen mag, der ist hier richtig.

Mehr Informationen zum Beispiel unter www.amakuna-saga.de oder www.susanne-aernecke.de

Tochter des Drachenbaums

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Der Wunsch in die Vergangenheit oder auch in die Zukunft zu reisen, um sich dort umzusehen, vielleicht in die Geschichte einzugreifen, wird in der Geschichte von Susanne Aernecke „Tochter des Drachenbaums“ wahr. Mithilfe eines Pilzes, der nur an einem einzigen Ort zu finden ist, nämlich in einer Höhle auf La Palma, kann die jeweils gewählte Heilpriesterin Zeitreisen unternehmen, um ihr Dorf und andere vor Unheil zu warnen, oder aus der Vergangenheit zu lernen, aber dieser Pilz wirkt auch heilend.
Die Autorin kennt die Geschichte der Kanaren gut. Lebt sie doch selbst auf der Insel, die im Mittelpunkt ihres Romans steht, und kann sie daher aus ihrer Sicht hervorragend beschreiben. In einer guten Geschichte darf die Liebe, Eifersucht, Intrigen und das streben nach Macht nicht fehlen. Und davon gibt es hier reichlich.
Auf der einen Zeitschiene ist das einschneidende Geschehen in der Vergangenheit die Besetzung der Insel durch die spanische Inquisition, die die Menschen zwingen will, zum katholischen Glauben überzutreten. Das sagt auch die führende Heilerin nach der Einnahme des Pilzes voraus, wählt ihre Nachfolgerin „Iriomé“ und stirbt. Bei den ersten Kämpfen mit dem Feind verliebt sich Iriomé in einen der Fremden und pflegt ihn mithilfe des Pilzes gegen jeden Widerstand gesund. Trotzdem wird sie auf das Festland verschleppt und soll das Geheimnis des Pilzes preisgeben. Sie hofft auf die Hilfe Ihres Liebsten, doch der begreift sie nicht und verstößt sie. Nun ist sie auf der Flucht.
Auf der anderen Zeitschiene arbeitet eine Ärztin, Romy, deren beste Freundin, Thea, schwer an Krebs erkrankt ist, mit Pflanzen, auf der Suche nach einem Heilmittel gegen die tückische Krankheit. Klettern ist ihr eine willkommene Abwechslung, doch bei einer dieser Partien stürzt sie, so glaubt sie jedenfalls, ab. Kein Knochen ist gebrochen, keine Schramme zu sehen, doch muss sie an die 8 Meter hinuntergestürzt sein. Doch wer kann ihr den Pilz verabreicht haben? Ab diesem Zeitpunkt hat sie Visionen, bei denen sie Iriomé bei ihrer Flucht sieht und ihr beistehen kann, so wie auch umgekehrt Iriomé ihr. Denn durch die Visionen entsteht bei ihr der Drang, auf die Insel zu fliegen, und ihre beste Freundin kommt mit, hat sie doch gerade eine Versuchsreihe mit einem neuen Medikament abgebrochen. Sie finden durch Zufall den Pilz, Thea wird gesund und Romy will versuchen, mithilfe eines Pharmakonzerns dem Geheimnis des Pilzes auf die Spur zu kommen. Auch hier gibt es einen jungen Mann, in den sich Romy verliebt, und auch Feinde, die unbedingt die Macht des Pilzes für sich haben wollen. Koste es, was es wolle.
Fazit: Die Autorin versteht es, die Zeitlinien immer engmaschiger zu verweben, den Lesern die Protagonisten auf beiden Seiten deren Zwillinge erkennen zu lassen. Dabei lernen wir viel über die spanische Geschichte in der Zeit der Inquisition, die Vertreibung der Mauren und Juden auf der einen Seite, aber auch das Machtstreben der Pharmaindustrie heute wird durchleuchtet. Eine interessante Geschichte für romantische Leserinnen und Leser und ein willkommenes Buch für lange Abende zu jeder Jahreszeit.

http://amakuna-saga.de/tochter-des-drachenbaums/home/

Weckels Angst

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Erschrecken. Das ist das Wort, was über mich kommt, das Gefühl, das sich einschleicht. Ein Text, der bereits 1974 das erste Mal erschienen ist und nun als Neuauflage wieder erhältlich, der immer noch nachwirkt. In zehn Kapiteln und einer Nacherzählung aufgeführte Schicksale, die teils ineinander übergehen, auf 100 Seiten.

Die Geschichten von Ossowski über junge Menschen, Obdachlose, Heimkinder, straffällig gewordene Jugendliche, sind zum Teil heute noch aktuell. Mit anderen Vorzeichen zwar, natürlich, schließlich dreht die Welt sich weiter. Aber die Gesellschaft muss sich trotzdem fragen lassen, warum sich einiges so bekannt anhört, anfühlt, sich wohl nie ändert. Die Sätze sind zum Teil nur wenige Worte. Sie schleichen sich an Dich heran, dass Du glaubst, ach, nun ja, klingt wie ein mittelprächtiger Aufsatz. Aber dann kommen die Informationen über diese Menschen, warum sie in gewisse Situationen geraten, mit einer Wucht, ungeschminkt, ungekünstelt. Man möchte einschreiten können, Stopp! rufen wollen, und kann es nicht. Tathergänge werden beschrieben, auch Aussagen aus den Protokollen von Sozialarbeitern, Heimmitarbeitern denen gegenübergestellt, um die es geht. Beide Seiten kommen bei der Nacherzählung zur Sprache, beide Sichtweisen bekommen ihre Gelegenheit sich zu äußern. Das nutzt den jungen Menschen aber nicht, für sich ein besseres „Urteil“ zu erreichen.

Die Kurzgeschichten von Ossowski zeigen zum Beispiel auf, warum der vierzehnjährige Jürgen so unbedingt aus einem Heim nach Hause entlassen werden wollte, er trainieren will, seinem Stiefvater nacheifert; beim letzten Satz bleibt einem die Spucke weg. Und so geht es weiter. Weckels Angst ist begründet, Hilfe erhält er nicht. Wie sagen die Anstaltsmitarbeiter? Das kann immer mal passieren. Mit zwei anderen Übeltätern in einer Zelle eingesperrt, da ist klar, der Schwächste verliert. Es ist aber nicht nur Weckel der verliert, sondern die Institutionen, die Gesellschaft, die Politik, wir alle. Die Autorin beleuchtet, warum manche in die Kriminalität absteigen, für sich keinen anderen Weg sehen. Dazu gibt es viele Parallelen zur heutigen Zeit. Man macht sich so seine Gedanken, und das ist wohl die Absicht, die dahinter steckt. Hätte man eingreifen können? Einen anderen Weg finden können? Fehlte der Wille, die Mittel, die Motivation? Einen Glückwunsch an die in diesen Tagen 92-jährig werdende Leonie Ossowski, für den, leider, zeitlosen Text.

Weitere Informationen über die Autorin findet sich unter https://de.wikipedia.org/wiki/Leonie_Ossowski

https://www.piper.de/buecher/weckels-angst-isbn-978-3-492-50085-2

Maupassant

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Wenn aus einer Französischlektüre im Schulunterricht eine Passion wird …
… dann kann daraus ein Roman entstehen, wie bei Arne Ulbricht „Maupassant“.
Es war wohl, wie der Autor schreibt, sein Französischlehrer, der ihm im Leistungskurs die Novellen, Romane, Gedichte und andere Schriften von Maupassant näher brachte. Er „verschlang“ während seines Romanistik-Studiums so gut wie alles von Guy de Maupassant, recherchierte viel über ihn und kam auf die Idee, einen Roman über dessen Leben und Wirken zu schreiben. Nicht alles ist auf den Nachlass zurückzuführen, vor allem die wörtlichen Reden musste er dazu dichten, Zeitgenossen weglassen, die ein oder andere Person dazu. Schließlich sollte es ein lebendiger Roman werden, keine Nacherzählung oder Aneinanderreihen von Ereignissen.
So wurde es ein leicht lesbares Buch, der Einstieg beginnt mit den tragischen letzten Wochen des Schreibkünstlers. Von Kopfschmerzen geplagt, das Augenlicht beeinträchtigt, er hatte das Gefühl zu erblinden, alles zu vergessen, selbst wer er war, wie er war, wo er war. Drogenmissbrauch und Syphilis haben schlimme Spuren hinterlassen, er konnte kaum noch schreiben beziehungsweise sich an seine Geschichten erinnern, Selbstmordversuche trieben ihn in die Klinik.
Nachdem wir also vom zu erwartenden furchtbaren Ende Maupassant erfahren haben, beginnt der Autor chronologisch mit der Kindheit, Schulzeit, erste Begegnungen mit Flaubert und anderen Schriftstellern jener Zeit. Darunter erwähnt Ulbricht auch noch Zola, Goncourt, Turgenew, Bouilhet. Zu diesen Schriftstellern bekommt er Kontakt durch die eigene Familie. Und Jeder Besuch bei Flaubert erzeugt den nächsten Namen, den er für seine Zwecke, seinen Bekanntheitsgrad zu vergrößern, Veröffentlichungen in kleineren Zeitungen zu platzieren, nutzen kann.
Obwohl die Mutter ihm und seinem jüngeren Bruder sehr viele Freiheiten lässt, sie hatte sich schon früh vom Vater der Jungs getrennt, und ihnen eine abenteuerreiche Jugend beschert, muss er doch später in ein streng katholisches Internat, dass er nur erträgt, weil er dort Gedichte und kleine Novellen anfängt zu verfassen. Von seiner Zeit als Soldat im französisch-preußischen Krieg gibt es wohl nicht sehr viel Material. Aber dass er, statt Jura zu studieren, langweilige Jobs in Ministerien verrichtet, die ihn gerade so über Wasser halten. Seine Zeit verbringt der junge Maupassant mit Freunden beim Rudern auf der Seine, gemeinsame Theaterstücke verfassend, Gedichte und Novellen schreibend. Immerzu wartet er auf den Durchbruch.
Ulbricht beschreibt auch Begegnungen mit Frauen, Maupassants sexuelle unstillbare Lust, dass er sehr oft zu Prostituierten ging aber auch ältere Freundinnen hatte. Dass er zu viel Zeit mit Prostituierten und Rudern verbringt, statt mit dem Schreiben, warf ihm auch Flaubert vor.
Dieser biografische Roman bringt mit seinem lockeren Schreibstil das Leben des Schriftstellers dem interessierten Leser näher. Wer aber tiefergehendes erwartet, wird enttäuscht sein. Ulbricht verweist daher zu Recht, dass es sich nicht um eine Biografie von Maupassant handelt, diese gibt es bereits. Nein, es ist eine ganz andere Art, das Leben eines Berühmten quasi wieder auferstehen zu lassen.
Leider ist das Inhaltsverzeichnis ganz am Ende gesetzt, dafür sind alle Quellen der erwähnten Gedichte, Novellen, Roma und so weiter akribisch aufgeführt.
Angehende Schriftsteller, die glauben, in diesem Buch Weisheiten darüber zu erfahren, wie man schnellstmöglich seine Werke veröffentlichen kann und großen Erfolg erzielt, denen sei folgendes gesagt: entweder man ist ein Genie der Worte, oder man muss üben, üben, üben. Und selbst dann kann es nicht schaden, wie bei Maupassant, gute Kontakte zu pflegen. Doch auch er brauchte Jahre, um endlich von seiner Schreibkunst leben zu können.
Weitere Informationen erhält man im Netz zum Beispiel unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Guy_de_Maupassant
Über den Schriftsteller Arne Ulbricht unter http://www.arneulbricht.de